rückwärts geschritten sei. — Behauptete ich im Laufe des ver-gangenen Jahres meinen innern Werth, meine vollkommeneWürde als Mensch? — Darf ich mich der gegenwärtigen Fest-zeit und der Geburtsfeier Christi mit Recht freuen?
Ich verstumme. Ich sehe in die Vergangenheit zurück. Ichfühle mich von mancherlei Erinnerungen gerührt. Doch meinGedächtniß wird irre. Nur einzelne auffallende Ereignisse, nureinzelne lebhafte Empfindungen werden mir deutlich, die ichdabei hatte. Ich kann mich nicht jedes Tages, jeder Stundemehr genau erinnern, wenn nicht ein ganz besonderer Anlaßdas Andenken daran weckt.
Aber ich will — denn wichtig ist mir zu wissen, was ichals Mensch werth bin und wie ich vor Gott stehe! — ich willeine ruhige Stunde, eine Einsamkeit zum Nachdenken übermich selbst suchen. Da will ich prüfen und mir klar machen,wie ich jetzt bin; wie ich zu wünschen, zu denken und zuhandeln pflege. Denn was und wie ich jetzt bin, das bin ichdurch meine Art zu sein im vergangenen Jahre geworden. Diesist der einfachste und zuverlässigste Weg zur Erkenntniß meinesWerthes und meines gegenwärtigen Verhältnisses zu Gott undEwigkeit. Da werde ich denn bald erblicken, ob Jesus, derGottoffenbarer, für mich vergebens in die Welt getreten ist,ob ich meine angestammte Menschenwürde unter allen Lebens-umständen behauptete, oder sie vergaß und verwahrlvsete; obich durch Haß und Zorn, oder durch Wollust, oder durch Neid,oder durch Habsucht, oder durch beständiges Sorgen für meineleiblichen Bedürfnisse, oder durch Wohlgefallen an Schwelgerei,dem Thiere gleich wurde. Ich werde wahrnehmen, ob ich sogarnicht vielleicht noch unter den sittlichen Werth des Viehes sankdurch das Laster der Trunkenheit, durch unnatürliche Ausschwei-fungen anderer Art, durch Verleumdungssucht, Schadenfreude,Lüge und Betrügerei gegen den Nächsten.
Das unfehlbarste Kennzeichen meiner Ebenbildlichkeit mitGott, meiner rein erhaltenen innern Würde, ist: meines GeistesFreih eit! — Habe ich meine Freiheit immer gegen die Gewaltder Leidenschaften entschlossen behauptet? That ich immer, wie