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in ihnen laut rief: du bist unsterblich! so verstanden sie dieselbekaum. Viele erfanden sich seltsame und thörichte Fabeln vondem Zustande der Geister nach dem irdischen Tode, von Be-lohnung und Bestrafung der Thaten jenseits des Grabes. Aberdie Einsichtvollern im Volk verlachten selbst diese Fabeln, undindem sie solche verwarfen, ließen sie zugleich die Sicherheitihrer Unsterblichkeit fahren, und legten mit dem Jrrthum auchdie hohe, in demselben verborgene Wahrheit ab. Dennoch bliebdie innere Stimme in ihnen laut und die Sehnsucht nach un-vergänglichen; Leben. In diesem Widerspruch, welchen sie sichnicht zu lösen verstanden, erwuchs ihre Begierde nach Unsterblich-keit ihres Namens unter den Menschenkindern. Es schirn ihnengleichsam eine Verlängerung des Lebens zu sein, wenn sie glaubenkonnten, nach dem Tose noch lange im Angedenken der Nach-kommen fortzudauern. Und diese Sehnsucht, diese Begierdeeines unvergänglichen Nachruhms war die Mutter eben so vielergroßer Thaten als verderblicher Unternehmungen.
Andere begriffen weder sich noch die Welt. Es blieb ihnendas große All ein dunkles Räthsel; sic hielten Alles für eineEntwickelung todter Kräfte, und alles Leben und Sein für einbloßes Spie! des Zufalls. Wohl staunten sie oft betroffen dasweise Geordnete im Weltall, wie im einzelnen Schicksal derSterblichen an. Allein sie erklärten sich dies durch eine über alleserhabene Nothwendigkeit, welche das All beherrsche, ohne sichseiner selbst bewußt zu sein. Was sic Nothwendigkeit hießen, schienAndern bloße Wirkung des blinden Dhngefährs, welches denSandhaufen am Meer zusammenwehe,und den Lauf der Gestirne-ordne, daß in den unendlichen Räumen dort oben nicht Welt«körpcr gegen Weltkörper stürzen. Dies war die Weisheit desAlterthums. Selbst unter den Juden glaubten die Pharisäer aneine Auferstehung des Fleisches, ohne Veredelung der Geisterzu beabsichtigen; und die Saduzäer läugneten mit der Wieder-vereinigung der irdischen Leiber die Unsterblichkeit der Geister.
Da ward Christus geboren. Sein Erscheinen auf Erdenselbst ward für die gesammte Menschheit der herrlichste, untrüg-lichste Beweis ihres Wsrthcs und ihrer Würde. Er gab der