480
Menschheit durch seine himmlische Offenbarung von dieserWürde ein lebendiges Gefühl, eine feste Ueberzeugung --Ueberzeugung, nicht nur, daß Gott die Menschen erschaffenhabe und ihre Schicksale leite, sondern daß er sie auch liebe,wie ein Vater seine Kinder liebt. Und diese Liebe der Gottheitzu seinen erschaffenen Geistern begründet die wahre Würde, denhohen Rang derselben in der Reihe aller erschaffenen Dinge.
Daran ist erschienen die Liebe Gottes gegenuns, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandthat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen.(1. Joh. 4, 9.)
Wohl oft habe ich diese merkwürdige Stelle der heiligenSchrift gelesen oder gehört, ohne mir ihren tiefen Sinn indieser Beziehung deutlich zu machen! Sie redet von einem hohenWerth, den ich schon dadurch habe, daß der ewige Schöpfermich in die Reihe seiner Wesen zum Menschen schuf. DiesenWerth empfange ich aber erst durch die besondere Liebe deshöchsten Wesens zu uns, seinen erschaffenen Geistern; und dieseLiebe offenbarte er zu uns am herrlichsten dadurch, daß er unsseinen eingebornen Sohn gesandt hat.
Was der Schöpfer aus dem Nichts ins Dasein rief, liebt erwohl Alles. Denn für Alles sorgt er seit der Schöpfung mitunendlicher, väterlicher Huld. Ec bereitete Nahrung überall,für den Löwen in der Wüste, für den Adler in hohen Lüften,wie für den kleinsten Wurm, der im Sonnenstrahl tanzt oderdem Auge kaum sichtbar im Staube irrt. Für Alle erfand ereigene Genüsse, eigene Freuden. — Auch der Mensch wardvon seiner Huld nicht vergessen. Es machte Gott demselben dieThier- und Pflanzenwelt unterthan. — Allein der Mensch warmehr als Thier und Pflanze. Es sollte nicht bloß für seine leib-lichen Bedürfnisse gesorgt werden — auch für das Höhere,Ewige in ihm, für den Geist.
Einst, da das Geschlecht der Sterblichen aus des SchöpfersHand hervorgegangen, war schon dafür gesorgt. Es ist kaumeinem Zweifel unterworfen, daß nicht die ersten der Erschaffenenmit der Gottheit in wunderbar nahen Verhältnissen gestanden