möchte ich sagen, ihre innerste Natur, ihren feinsten Reiz ab,der erwachftncrn Personen kaum empfindbar ist. Gleichsamwie eine geistige Pflanze, schlägt er mit seinem Ge>üthe Wur-zeln und Ranken in und um alle Dinge seiner Jugeudwrit. Erwachset gewissermaßen mit dem, was ihn umgibt, zusammen,und wird Eins mit demselben. Weil sich sein ganzes WesenAllem auf das zarteste anschmiegt, wird hier auch Alles seinemWesen vollkommen zusagend.
Je älter aber der Mensch wird, je mehr wird er auf sichselbst zurückgedrängt. Er hat andere Bekanntschaften und Freund-schaften, als die mit todten, unbelebten Wesen, Zeiten und Um-ständen; er kann sich nicht mehr spielenden Träumen hingeben,er gehört den Sorgen, die ihn gegen Außendinge gleichgültigermachen. Er beachtet diese oft kaum. Ein ganzer Bildersaalmacht dem Manne oft kaum das Vergnügen, als einst demKnaben der Anblick eines kleinen bunten Bildes von rohenFarben und Umrissen. Ein ganzer Brautschmuck, ein Uebcrflußkostbaren Hausgeräthcs entzückt die Jungfrau und das Weibnicht mehr so sehr, als ein buntes mit Flittern durchwirkttsBand einst das kleine Mädchen. — So wird der Erwachsene,in Geschäften und Zerstreuungen aller Art verloren, gewisser-maßen blinder gegen die Außenwelt; er übersieht Vieles, wasdas Kind einzeln durchdringt und beobachtet. Was ihn umfängt,macht weniger tiefen Eindruck — aber die ersten Eindrücke ausder frühem Zeit sind noch unerloschen, und verlöschen nicht,wenn sie sich auch verdunkeln. Sie können nicht ganz ver-schwinden, denn sie hatten auf die bleibende Gemüthsstimmungund die nachherige Geistesrichtung den folgenreichsten Einfluß;der erwachsene Mensch ist nur zu dem ausgewachsen, wozu erim zarten Beginn des Lebens und der ersten Selbftthätigkcitward. Daher bleibt ihm auch in später» Jahren, oft ohne es zuwissen, Vorliebe zu deni, was ihm am frühesten tief zugesagthatte. Daher kann er in spätem Jahren in der Fremde rei-zendere, schönere Naturen finden; aber sie ergreifen ihn weniger,als die Natur der Heimath; mit welcher sein ganzes Weseneinig ist.