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Vernunft und seines Gewissens. Wahrlich, Gott hat Alleswohl gemacht. Er schuf nichts, um es elend zu machen.
Alles ist in Allem gerecht für sich selbst geschaffen. Das ganzeWeltall Gottes ist gleichsam ein unermeßlicher Freudenborn,zu welchen Miriadcn höherer und niederer Wesen kommen, umVergnügen zu trinken. Und jedes naht hinzu, trinkt und genießt;jedes auf seine Weise, je nachdem es verschiedene Werkzeuge desGenusses empfangen hat. Man kann nicht sagen, dieses oderjenes Werkzeug sei vortrefflicher; jedes ist für sich selbst vor-trefflich, und für das Geschöpf und für das, was es ist und seinsoll, allein zweckmäßig. Man kann nicht sagen, dieses oder jenesThier sei vollkommener oder unvollkommener. Jedes ist in feinerGattung ganz vollkommen, und kann nicht anders sein zu seinemGlück und zum Wohl der großen Gesammtheit. So wenig einLöwe, ein Hund, ein Adler oder eine Schlange, wenn sie menschen-ähnlich Uebcrlegungen anstellen könnten, begreifen würden, worindenn der nackte, unbcschirmte, zarte Mensch Vorzüge vor ihnenhabe, eben so wenig würden sie wünschen, eine andere Thierartzu sein. Der Löwe in der Wüste würde in seinem Machtgefühlnur den Vogel in der Luft verachten, und die leichte, zart undwunderbar gebaute Fliege den Fisch in der Welle bemitleiden.So wenig der Mensch seinen von der Natur empfangenen Zu-stand für den eines andern Geschöpfes hingeben möchte, würdejedes andere das Glück des Menschen beneidenswerth finden.Denn jedes kennt nur sich selbst, und was vermittelst seinerempfangenen Sinne und Triebe die Welt für ihn ist; kenntaber nicht den Andern, und was die Welt den Sinnen undTrieben des Andern zeigt und darbeut.
Durch diese weise Weltordnung, die der Allmachtvolle undAllliibende wollte und ewig hält, hat Alles ein zugcmeffenesMaß der Last, und ist Alles da, wo cs hingestellt ist, undsonst nirgends, an seinem rechten Platze. Eben dadurch ist Alles,was wir sehen uns nicht sehen, mit lebendigen Wesen bevölkert,selbst das, was wir für unbewohnbar halten. Durch seine ver-schiedenen Naturen ist oas Lebendige an einen gewissen Wohn-ort geknüpft, und kann und will ihn nicht verlassen und ver-