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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
466
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Wann habe ich denn recht? Vielleicht jedesmal?oder vielleicht nie? Woher weiß ich denn, ob Andere weitglücklicher sind, als ich? woher, daß im Grunde Keinerglücklicher ist, als ich?

Dann versetze ich mich in die Lage Anderer. Und je tieferich in den Zustand Anderer mit meinen Beobachtungen ein-dringe, je Heller überzeuge ich mich, daß dasselbe Auge, welcheslacht, auch Thronen hat; daß dasselbe Herz eben so oft frohklopft im Vollgenuß seiner Seligkeit, als es bange und ängstlichschlägt, oder gar unter seinem Schmerz brechen will.

Der Tag des Greises vergeht, wie der Tag des Kindes. Nuräußern sich die Empfindungen des Mannes ruhiger, milder, alsdie der Jugend. Denn jener lebt mehr, mit seinen Gedankenund Sorgen für die Welt, das Kind mit seinen Gefühlen mehraus der Welt, und aus dem, was die Welt ihm beut. Jenerrunzelt in derselben Stunde düster die Stirne, in der er wiederzufrieden lächelt. Das Kind weint in derselben Stunde überlaut,in der es fröhlich hüpft und jauchzt. > Reizbare Personenempfinden jedes Ungemach lebhafter; sind sie darum unglück-licher? Nein, ihres Gemüthes zarte Saiten ertönen auch leichtervon jedem leisen Anhauche der Freude und des Glückes.Kalte, phlegmatische Personen werden nicht so leicht von jederkleinen Widerwärtigkeit verwundet, ja sie bleiben selbst untergrößer« Unfällen ruhiger, und verachten das Uebermaß frucht-loser Betrübniß. Sind sie darum glücklicher? Nein, sie bleibenauch bei tausend Gelegenheiten freudenärmer, und kennen undschmecken unzählige zarte Vergnügungen nicht, von denen derEmpfindsamere bewegt und beseligt wird. Sie gleichen denen,die, blöden Gesichts, nicht so viel Widerliches, aber auch nicht soviel Anmuthiges um sich her erblicken, als hellere und schärfereAugen.

So hat die Weisheit Gottes in die Natur jedes empfinden-den Wesens ein Gleichgewicht in der Lust und Unlust gelegt.Zwischen beiden schwankt das Geschöpf: das vernunftlofe Thier,unter der Führung und Gewalt dunkelcr Naturtriebe; derMensch aber wählend «ach Eingebung seiner Erfahrung, seiner