Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und er istunbegreiflich, wie er regieret. Nicht das Licht, welches derSchnee in den Finsternissen verbreitet, ist seine einzige Wohl-thätigkeit: auch seine Wärme verdient Achtung. Nicht daß eran sich selbst warm wäre, aber doch erwärmt er, obgleich auslauter Eisspitzen bestehend. Alles, was er bedeckt. Er wehretvon der Erde und den darin dem Frühlinge cntgegenfchlum-mernden Samenkörnern, Thierkeimen und Gewürmen den Frostab. Ein Winter mit erstarrender Kälte, aber ohne Schnee,würde für die Welt von weit traurigern Folgen sein, als einwarmer Sommer ohne allen Regen. Die Hitze würde nicht soviel versengen, als der Frost in den letzten Keimen und Wurzelntödten könnte. Mitleidig bedeckt der Himmel die Thäler undWiesen hochliegender Gegenden und die fruchtbaren Triften derGebirge immer zuerst mit der erwärmenden Schneehülle, undnimmt sic von da zuletzt hinweg, weil auf den Bergen und Hoch-ländern die reinste und kälteste Luft am strengsten und anhaltend-sten zu herrschen pflegt. Erf.vrne Menschen und Thiere, so wieeinzelne erfrorne Gliedmaßen, erhalten ihre natürliche Wärmeund Leben am leichtesten wieder, wenn sie ganz in Schnee ge-hüllt, oder mit Schnee gerieben werden. — Wie kann ihm sogroße Macht beiwohnen? Ist er nicht selbst ein Kind des er-starrenden Frostes? Wie kann, was in sich nur Kälte trägt,die belebende, milde Wärme herbeiziehen und fesseln? —Mensch, du fragst nach Wundern, und täglich umringen siedich; dein Fuß wandelt über zarten Gebilden auf Erden, diesich in den Wolken des Himmels erzeugt hatten; kein Künstlermit allem Witz könnte Aehnliches Hervorbringen durch seine Ge-schicklichkeit, oder könnte die erwärmende Kraft in den Schoosdes Todten legen. *
Außer der milden Erwärmung, welche der Schnee demErdboden ertheilt, führt er auch den Pflanzen selbst eine reineund kräftige Nahrung zu, indem er abschmilzt, und, in denfeinsten Thau verwandelt, an den Wurzeln der Kräuter, Stau-den, Gewächse und Bäume hinabschleicht. Sei es, daß er selbstschon gedeihliche Luftarten mit sich verbunden hat, oder wohl-