in den höchsten Höhen, bald unwirksam? — Ach, noch ist diesunbegreiflich; noch drang das Auge keines Sterblichen in diegeheime Werkstatt des immer schaffenden Gottes.
Betrachten wir den fallenden Schnee aufmerksamer, so be-merken wir, daß jede Flocke desselben, besonders wenn sie beistiller Luft herunterschwebt, aus einer Menge kleiner, ungemeinzarter Eisspitzen besteht, welche zuweilen zwar etwas verworrendurch einander liegen, meistens aber in einer wunderbaren Regel-mäßigkeit Zusammenhängen. So bilden sie gewöhnlich kleine,sechseckige, fein durchbrochene Sterne, deren halbdurchsichtigeKristalle auf das zarteste zugespitzt sind. Bald gleichen siefaserigen Blumen wie aus Moos geflochten, bald Federn, baldden Gestalten der Tannen mit ihren regelmäßig aus einanderstrebenden Aesten. So überaus zart sind diese himmlischenGebilde, daß der leichteste Wind sie im Fallen wieder zerstäubt.
Welchen Scharfsinn man auch anwende, das Entstehen dieserMilliarden wunderschön und mannigfaltig geformter Kristallen-sterne in den Höhen der reinsten Luft zu erklären: immerdarwird dem Forscher ein unerklärtes Warum Zurückbleiben. Ja,es ist sogar nicht unwahrscheinlich, daß die in den Wolken ent-sprungenen Schneeflocken sich im Herabfallen noch vermehrenkönnen, auch wenn sie durch eine dem Anblicke nach ganz dunst-lose Luft fallen. So bemerkt man zum Beispiel, daß, wenn derBlitzstrahl in ein Wohngebäude fällt, die himmlischen Feuer-funken auch da zünden, brennen, zersplittern, wohin der Strahlselbst gar nicht gefallen ist. Der vom Himmel fahrende Blitzentwickelt um sich her beim Fall aus der Luft andere ihm ähnlichekleinere Funken. So bemerkt man, wenn man in Wasser, worineine beträchtliche Menge Salz aufgelöset ist, nur einen kleinenKristall desselben Salzes fallen läßt, daß dieser sogleich imFallen die umliegenden Salzcheilchen zum Niederschlag undzum Kriftallisicen bewegt, so daß sie sich regelmäßig um ihnanlegcn, und in regelmäßiger Gestalt vergrößern. Ja, jederspitzige Körper bewirke fast das Gleiche; man befördert zumBeispiel in Werken, wo das Salz gesotten wird, das Anschließendesselben durch Anlegung von Dornen in das Salzwasser, wo