welches nur die Anmuth der Natur gewähren kann, und dieSeele des gefühlvollen Christen zur Anbetung des grundgütigenSchöpfers stimmt.
Doch wahrlich ist die feierliche Pracht eines schönen Wintcr-tages nicht geringer, wenn Alles vom Froste starrt, die erstenSonnenstrahlen im Hellen Reif sich spiegeln, dessen Kristalle,wie blitzende Diamanten, wunderbar von den Händen der Naturum alle Zweige gehängt sind; wenn Höhen, Thäler und Ebenenvom reinsten weißen Schnee umlagert schimmern, in dessenzarten Eisspitzen die Sonne alle Farben spiegeln läßt; wenndieser Helle Silbrrteppich, der die Wohnungen der Menschen,wie ihre Felder, deckt, die weite Landschaft zu einer unabsehbaren,schönen Einsamkeit verwandelt hat, in welcher wir .uns kaumwieder erkennen; und wo wir uns, wie durch einen Zauber, inganz fremde Gegenden versetzt wähnen. Die Winterlandschaft,das Einfache und doch Blendende ihrer weißen Hülle, das große,ewige Schweigen nah und fern, erregt in uns unwillkürlich dieEmpfindung des Erhabenen, wie der Sommer das Gefühl desAnmuthigen aufweckt. Wer, wenn er nicht mit thierischer dumpferGleichgültigkeit durch seine Tage hingeht, sollte noch nie durchjene Empfindungen im Winter gerührt worden sein!
Doch der gewöhnliche Mensch, wenn ihn schon das Schau-spiel der winterlichen Welt vergnügt, nimmt es auch nur wie einSchauspiel. Er theilt beim Anblick desselben seine Freude inWorten der Bewunderung mit, ohne einer geistigen Erhebungfähig zu sein. Anders der Christ. Er sieht in der Natur immerzugleich die Majestät des Urhebers. Immer ist er in Gedankendem allgegenwärtigen Gott nahe. Seine Freude, seine Be-wunderung, sein stummes Entzücken wird zum Gebet und Psalm.
So sah von jeher jeder höhere Sterbliche die Verwandlungender Natur. Nicht dies allgemeine Schweigen in den beschneitenFluren, nicht dieser Farbenglanz, nicht die Spiegelflächen desEises auf Strömen und Seen, sind das Bewundernswürdige,sondern die geheime, unendliche, zweckvolle Schöpfungsmachtdes gütigen Weltenvaters. So betrachtete David, der großekönigliche Beter, die Natur. Immer schwang sich vom Anblicke