Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
438
Einzelbild herunterladen
 

unserer Schicksale. Die Beschaffenheit und Art der Witterungenauf der Erdoberfläche bewegt, ändert, treibt das Menschen-geschlecht, wohin es soll; gibt die Verschiedenheit der Beschäf-tigungen, Gewerbe, Sitten, Bedürfnisse, Lebensarten, Sprachenund Denkarten an, und greift vernichtend oder begünstigend indie Plane der Begebenheiten einzelner Personen, einzelner Fa-milien, wie m das Geschick ganzer Nationen ein.

Schon im Allgemeinen betrachtet, welchen entscheidenden,Alles bezwingenden Einfluß haben die rauhen Lüfte in den Nord-ländern auf deren Bewohner, auf die Art ihrer Bekleidung,Wohnung, Nahrung, Beschäftigung, Lebensordnung und Ver-gnügen! auf Bau und Stärke ihres Körpers, auf ihre Nei-gungen, auf ihre Geistesthätigkeit! Eben so denke man nuran die Wirkung der heißen Tage, der erschlaffenden Winde, derlangen Regenzeiten in den warmen Ländern. Wie träge undweichlich wird da der Körper, wie lebendig die Einbildungs-kraft, wie reizbar und unbändig die Begierde; und wie mächtigbestimmt dies die Eigenthümlrchkeit dort wohnender Nationenin Einrichtung ihrer Wohnplätze, ihres Unterhalts, ihrer Landes-verfassungen, ihrer Verhältnisse zu andern Völkern!

Die verschiedene Art der Witterung in den Ländern einesund desselben Weltthcils ist der wesentliche Grund von der Ver-schiedenheit des Karakters der Nationen. Die Wärme Spaniensund Italiens muß ein anderes Volk erzeugen, als die rauheLust Norwegens und Rußlands, als die feuchte Witterung Eng-lands, als die von vielen Dünsten geschwängerte Lust Hollands.Die davon herrührenden Gemüthseigenthümlichkeiten der Na-tionen wirken wieder kräftig auf ihr gegenseitiges Betragen,auf ihre Kriege und Frieden ein.

Will ich auf diese allgemeinen Einflüsse der Witterung unterverschiedenen Himmelsstrichen nicht achten, so ist für mich Be-merkenswerthes genug im Einfluß der Witterung auf Leben,Wohlstand und Schicksal der Familien und Gemeinden, zu denenich selbst gehöre. Ich muß mir oft sagen: hier ist Gottes Finger!Und wenn ich auch nicht immer die göttlichen Absichten im tief-wirkenden Wechsel der Witterung einsehe, kann ich mir doch