Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
437
Einzelbild herunterladen
 

svirft, die Absichten Gottes zu errathen und zu offenbaren in,allen seinen Werken.

Hingegen ist es auch entschiedener Wahnsinn, wenn manDurchaus auf das Erkennen der Ursachen und Wirkungen ganzVerzicht thun, und selbst va gegen das Zweckmäßige in denEinrichtungen Gottes blind sein will, wo cs hell am Tage liegt.Das würde heißen, das große, unermeßliche, überall belebteGanze für ein Zusammenspielen todter, sich ihrer selbst uwbewußter Kräfte halten. Dann würde die bildende Macht derNatur der Gott sein, der, ohne davon zu wissen, ohne allenWillen, ohne allen Zweck Wunder an Wunder mit unbegreif-4ich er Weisheit ins Dasein riefe. Dann wäre der Mensch einganz anderes Wesen, als die Natur, oder der Gott; denn er istsich doch seiner selbst bewußt. Ja er wäre weit erhabener, dennrr ist doch vermögend, die Reihen der Dinge, die Arbeiten derNatur zu übersehen, von denen sie selber nichts wußte, undDon denen kein Gott, kein Schöpfer wußte.

So eingeschränkt der menschliche Verstand ist, um überall-die Absichten des Allerhöchsten zu ergründen, kann er doch nichtanders, als gern nach solchen Absichten fragen. Uebcrall Zweck-mäßigkeit hinzudenken, ist selbst ein Naturgesetz des Geistes, istEigenheit des menschlichen Denkvermögens. Und die Erfahrungzeigt jedem gesunden Blick nicht nur die bewunderungswürdigsteAnordnung im Bau jedes einzelnen Körpers, wo die kleinstenMängel das Verderben des Ganzen nach sich ziehen würden,sondern lehrt auch, daß überhaupt im Naturreiche Tausendevon Dingen Zusammenwirken müssen, um das Dasein einesEinzigen zu erhalten. Eins fehle im Zusammenhang, und esmuß eine Weltveränderung folgen.

Besonders auffallend ist mir immer die Wechselwirkung zwi-schen der Natur und dem menschlichen Geschlecht gewesen. Dergrößte Theil unserer Schicksale ist mit dem großen Gange desNaturganzen aufs engste verflochten, und zwar durch die Wit-terung und deren Veränderlichkeit. Diese bestimmt beinahe denganzen Lauf und die Richtung unsers Lebens. Sie ist in derHand Gottes gleichsam das sichtbare Leirband zur Regierung