Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
436
Einzelbild herunterladen
 

verschiedenen Beschaffenheiten, Einrichtungen und Kräften gerkannt, oder auch nur schon alle gesehen hatte? Diesen Reichthumdes Wissenswürdigsten erschöpft der größte Geist auf Erden imkeinem hundertjährigen Lebenslauf. Bewunderungswürdig magdie Mannigfaltigkeit von Seltenheiten sein, die sich alltäglich imLuflkrcise erzeugen. Aber noch bewundernswürdiger scheint mirdie Einfachheit der Mittel und Ursachen, aus denen das Man«nigfaltige hervorgeht, und die Einfalt der Naturgesetze, in denensich Alles bewegt. Nichts von Allem, was vorhanden ist, kanndie seit Ewigkeit vvrgezeichnete Bahn verlassen. Alles folgt auseinander und aufeinander, nach strenger Nothwendigkeit, undkann es nicht ii-ldern? Er hält die Himmel immer u n krewiglich. Er ordnet sie, daß sie nicht anders gehenmüssen. (Psalm 148, 6.)

Freilich, die Ordnungen der Natur überall zu ergründen^ist nicht immer möglich. Soll ich deswegen mich berechtigglauben, überhaupt das Dasein einer solchen Ordnung zuzweifeln? Es ist wahr, von vielen Dingen in der Weßc weißich nicht, warum und wozu sie vorhanden sein mögen. Sekich deswegen überhaupt die Zweckmäßigkeit aus der Natur unkihren Wirkungen hinwegläugnen? Wahrlich, ein Läugner unsZweifler solcher Art ist wobl ein vorwitziges Kind, welches darum^weil es die Gründe und Absichten bei den Handlungen feinesVaters nicht zu erkennen oder zu beurtheilen im Stande ist, sicheinbildet, sein Vater lebe und thue ohne allen Verstand, mit ge«dankenlosem Leichtsinn. Was ist aber die Einsicht des klügstenSterblichen gegen die unermeßliche Weisheit, welche das Weltallhervorbrachte und den Hauch des Lebens hineinblies?

Es mag auch wohl nicht selten der Fall eintreten, daß desMensch den Dingen in der Natur Zwecke zuschreibt, die sie garnicht haben. Vielleicht thun wir sogar Unrecht, überall Zweckezu erfinden und sie der Natur anzudichten. Denn wer ist dennso gewaltigen Blicks, daß er das ungeheure Werk der Weltenuhrdurchspähen, und den Zusammenhang und das Füreinanderser»und Jneinandergreifen aller Theile sich deutlich vorstellen könnte ßWahrhaftig, es ist Vermessenheit, wenn ein Merrsch sich auft