Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
430
Einzelbild herunterladen
 

Gleich wie der menschliche Körper aus festen und flüssigenTheilen besteht, und das Blut wundersam durch verborgeneHöhlen und Adern strömt und die Wassertheile durch die Hautausvünstet, m seinem Innern aber von einer eigenthümlichcnWärme erfüllt ist, welche er keinen äußern Umständen dankt:so ist auch das Innere der Erde. Da liegen tief und starr dieFelsen und Metalle, als feste Theile, wie des UngeheuernKörpers Knochenkheile und Gerippe; darum legen sich Luft-und Erdtheile an, wie sein Fleisch; und Ströme, kalte undheiße, rauschen zwischen Klüften und Spalten unaufhörlich, wiedas Blut in den Adern. Dabei hat der große Körper seinenatürliche Wärme, welche unter den Eis- und Schneehüllensortdauert, dieselben unterhalb abschmilzt, und oft die erschreck-lichsten Feuerfluthcn erzeugt, die zuweilen bei Erdbeben ausdem Boden hervorfahren, oder aus den feuerspeienden Bergenstrahlen. So möchte man fast sagen, der Erdball sei ein leben-diges Wesen, welches sich im Himmelsraum bewegt.

Diese natürliche Wärme, diese Bewegungen in den Ein-geweiden der Erde, diese Ausdünstungen des Wcltkörpers undwieder sein Verschlucken der äußern Luft und des Wassers, habenauf die Verwandlungen des Dunstkreises, folglich auf die Wit-terungen, einen unvermeidlich großen Einfluß. Man weiß, daßzur Zeit großer Erdbeben oder starker Auswürfe von feuerspeien-den Bergen ein mvndenlang dauernder, trockener Dunst, Höhen-rauch geheißen, zuweilen einen ganzen Erdtheil bedeckt hat; daßdavon die Gesundheit von Menschen und Thieren und die Frucht-barkeit des Erdbodens Veränderungen erlitten. So arbeitet allesin den Himmeln, wie in den tiefsten Tiefen der Erde ununter-brochen, ewig in einander zusammen. Der Mensch weiß es nicht,ahnet es kaum, und es ist sein Schicksal, sein Gedeihen, seinLebensfadcn, was dort in den Abgründen der Erde und desHimmels gearbeitet und gesponnen wird. O allmächtiger Gott,ich bebe, wenn ich an Dein allmächtiges Herrschen in Höhenund Tiefen gedenke. Der Gedanke an Deine grenzenlose Ma-jestät, in der ich mich als ein unbedeutendes Nichts verliere,erhebt und vernichtet mich.