422
Also werden die Windstürme, wie grausenbaft auch zuweilenihre Gestalt sein mag, nur Diener der göttlichen Gnade gegendas menschliche Geschlecht. Wie sie in den heißen Himmels-strichen die Erde nach der langen Regenzeit austrocknen undfruchtbar machen; wie sie dort Fäulniß verhüten, und Krank-heiten heilen: so müssen sic in den kalten Gegenden des Erd-kreises das Eis von den Ufern der Länder und Inseln weg-brechen, damit die Meere schiffbar werden; müssen sie jenenwinterlichen Fluren, wo die Erde nicht mehr Kraft hat, Bäumehervorzubringen, aus gemäßigten Ländern Treibholz mit denWellen herbeiführen, daß die einsamen Bewohner der Schnee-felder sich Hütten bauen und erwärmen können.
Wahrlich, bei diesem Anblick der weisen Fürsorge des Weltcn-königs für sein unermeßliches Reich, bei diesem Anblick seinerWundermacht, in welcher er den Lauf und Einfluß entfernterWelten des Himmels mit dem Wohlsein von einzelnen Bewohnernunsers Erdballs verknüpft; bei dem Anblicke der unbändigenSturmwinde, die selbst in ihrem schauerlichsten Walten nurDiener seiner ewigen Huld für das menschliche Geschlecht seinmüssen wer könnte da ohne Erstaunen, ohne Rührung, ohneTrieb zur dankbaren Anbetung des allein Anbetungswürdigenbleiben ? Wer sollte da länger zweifeln, daß auch das scheinbareNaturübel zuletzt nur eine der fruchtbringendsten Segnungensei? Wer könnte länger zweifeln, daß denen, die Gott an-geboren, nicht endlich alle Dinge zum Besten gereichen müssen?
Ja, ich spreche mit dem betagten Tobias, und aus derFülle seiner Erfahrungen, und aus der Tiefe seines frommenHerzens: „Ich weiß es fürwahr, wer Gott dienet, der wirdnach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöset,und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn Du hast nichtLust an unserm Verderben. Denn nach dem Ungewitter lässestDu die Sonne wieder scheinen, und nach dem Heulen unsWeinen überschüttest Du uns mit Freuden. Deinem Namensei ewiglich Ehre und Lob, Du Gott Israels!" (Tob. 3, 22.23.)
Wie kann ich doch zuweilen so kleinmüthig sein, da ich sehe,wie gnädig und mild er überall sein Regiment führt in der be-.