Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
393
Einzelbild herunterladen
 

393

Erdball? Weniger, als eine kaum sichtbare Milbe, amLaube einer tausendjährigen Eiche klebend. Dennoch, wievemüthigea sich tausend und tausend andere Sterbliche vor demNichts; wie beben sie vor dem Zorn dessen, der Staub ist, wiesie; wie bewundern sie seinen Reichthum; wie preisen sie seineMacht; wie eifrig fliegen sie, seine Wünsche zu erfüllen und

sich ihm wohlgefällig zu machen!-Aber der Einzige,

Hohe, Unvergängliche Gott, vor welchem aller Glanz desWeltgebäudes matt ist; vor dem die Ungeheuern Sonnen undalle um sie fliegenden Welten nur Staub sind der große Un-sichtbare, Alleinheilige, er ist von den Sterblichen vergessen,während sie sich vor der Milbe beugen; seine Weisheit undMacht ist von ihnen kaum gekannt, während sie vor kleinlichenSpielen Ihresgleichen erstaunen und es Kunst heißen; ihn zuverehren, anzubeten in seiner Herrlichkeit, ist ihnen nur Neben-sache, oft lästiges Herkommen, dessen sie gern los sein möchten,während sie vor denen in tiefster Ehrfurcht sich beugen, diereicht wissen, ob sie morgen noch athmen. Wer ihnen ein wenigVergängliches hinbiclet, Staub und Asche, was sie ReichthumNennen, oder ein Traumwesen, das sie Ehre und Rang heißen,dem stammeln sie in hoher Rührung Dankbarkeit; aber gleich-gültig blicken sie auf den Herrn des Weltalls, der ihrem GeisteEwigkeit, zur Heimath das Weltgebäude, und zum letzten Zielenamenlose Seligkeit gab. Ach, sie bezweifeln bisweilen wohlgar sein Dasein, während er Miriaden Welten durch das End-lose des Universums sendet, ihn zu verkünden.

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Veste ver-kündigt seiner Allmacht Werk. Ein Tag sagt es dem andern,und eine Nacht thuc'S kund der andern. Es ist keine Sprachenoch Rede, da man nicht ihre Stimme höre! Heilig, heilig,heilig ist der Herr Zebaoth! Alle Welten sind seiner Ehre voll!Amen.