Ist dort edlem Wesen vergönnt, unfern Erdenstern zu be-trachten , wie wir den ihrigen: wahrlich, nicht minder un-begreiflich muß ihnen derselbe in Allem, von dort aus gesehen,erscheinen; sie mögen auf den gleichförmigen Schwung desMondes um uns, oder durch den Schleier unserer Wolken aufunsere Länder, Meere und Hochgebirge blicken, die sie kaumunterscheiden. Glänzende Punkte in grauen Dämmerungenwürden ihnen unsere großen Inseln im weiten Ozean, strah-lender noch vom Widerschein die weiten Sandwüsten um dieMitte der Erde, oder die unermeßlichen, ewigen Schnee - undEisstächen an den beiden entgegengesetzten Enden des Erdballssein, um die er sich durch die Himmel rollend, wie das Radum die Achse, wendet. Unsere Dörfer, die Paläste der Fürsten,die größten Städte des Erdrundes, die weitläufigen Waldungen,Alles ist im einförmigen Grau verschwunden, und ihr Daseinwird nicht geahnet, noch weniger ihre Gestaltung, obgleich dieErde den Bewohnern der Venus weit näher steht, als ihnendie Weltkugel des Merkurs ist.
Der Stern, welchen wir Sterbliche eine Zeitlang unfernWohnplatz nennen, der zwanzig Millionen Meilen weit von derSonne schwebt, ungeachtet er ihr, nach Merkur und Venus, dernächste von allen ist; der zu seinem Kreislauf mehr als drei-hundert fünfundsechszig Tage gebraucht; der einen Umfang vonfünftausend vierhundert Meilen hat — wie klein, wie unbedeutenderscheint er in solchen Fernen, unter tausend andern, oft tausend-mal größern Welten, den etwaigen Wesen auf andern Gestirnen!Und doch wie groß, wie wichtig erscheint sich der Sterbliche aufdiesem Staubpunkt! Wie riesenhaft kommen ihm seine Arbeiten,seine Sorgen, seine Entwürfe vor! Wie wird er von seinengemeinen, dem Staube entstiegenen Begierden gefesselt, daß ernur seine ganze Aufmerksamkeit auf das Nichtige hinlenkt, dasunter ihm liegt, und darüber das ganze Weltgebäude und denGott des Weltalls und das Ewigsein im Weltall vergißt!
Was ist im Verhältniß zur unendlichen Herrlichkeit, welchevon der Sonne bis zur letzten der zu ihr geordneten Weltenausgebreitet ist, der allmächtigste Monarch auf dem kleinen