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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
362
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So ist der Mensch! Der größte Ueberfluß kann ihn kaumso sehr beglücken, als in der That der goldene Mittelstand, oderselbst die Armuth. Alles Gute, in geringem Maße gewährt,dünkt uns köstlicher, als wenn wir in der Fülle schwelgen.

So ist'S mit dem Leben! Wie leichtsinnig wird der Früh-ling unserer Tage, die Vorbereitungszeit auf das ernstere Leben,die Jugend, oft vertändelt und verschwendet! Wie gleichgültigsind der Jüngling, dann der Mann, der junge Hausvater, dieMutter und Gattin, oft gegen das Glück ihrer Lage, gegen dieAnmuth ihrer Verhältnisse! Wie wenig wissen sie die Schönheitund den Werth ihrer Stunden zu schätzen!

Dann kommt der Herbst des Lebens. Die Stunden gehenzur Neige. Jetzt, je älter der Mensch wird, je theurer wiM,ihm das Leben. Bald muß er auch auf das geringere GlückVerzicht thun. Schon winkt der Tod sein Winter.

Vater, Vater, Geber alles Guten, unerschöpflich in Reich-thum, Macht und Güte! ach, laß mich meiner LebensstundenWerth bedenken; laß mich wuchern mit jeder Minute meinesHierseins, daß ich keine ganz ungenossen verscherze, daß michkeine einzige gelebt zu haben gereuc.

Jede Freude, welche Du mir gewährst, will ich mit herz-licher Dankbarkeit empfangen, keine mir durch eigene Schwach-heit, Laune und Leidenschaft selbst verbittern. Und die schönste,die göttlichste aller Freuden, o mein Gott, Dir ähnlich handeln.Dir nachahmcn in Wohlthätigkeit und Milde, ach, diese gött-lichste der Freuden, laß sie mich oft empfinden. Dann werdeich in Betrachtung dieser Deiner Welt oft mit Entzücken rufen:Wie herrlich-schön ist sie, mein Gott! Und jene,deren Seligkeit Du mir bereitet hast von Anbeginn, die michjetzt schon erfreut aus Jesu Verheißungen: wie herrlichwird sie, wie schön sie sein!