Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
344
Einzelbild herunterladen
 

Dann wirf den Blick wieder auf dich selbst zurück wie du,Einzelner von deinem Vater im Himmel seit der ersten Kindheitso wunderbar, so gütig gepflegt wurdest; wie du doch immerdarSpeise und Trank fandest, und nie vergessen warst; wie sichAlles um dich her so vortheilhaft und wohlthätig fügte, als wäredas ganze menschliche Geschlecht, als wären Erde und Himmel,als wären alle Schicksale sonst für Keinen, nur einzig für dichallein da und für dich allein so geordnet! Was empfindest dudann?

O Vater, Du unendlich huldvoller, unendlich reicher, un-endlich barmherziger Vater aller Wesen mit schauerndemEntzücken blicke ich empor zu Dir und stammle: Ich bin zu geringaller Barmherzigkeit und Treue, die Du an mir gethan hast.Was bin ich, daß Du meiner so gnädig gedenkest? JedeJahreszeit ist eine Verkündigerin Deiner Weisheit, Deiner All-macht, Deiner Liebe; aber die Jahreszeit der Aernte redet vonDeiner überströmendcn Gnade und Segensfülle am lautesten.

Die Felder sind bald leer. Der Winter will sich bald ver-künden. Schon geht die Natur gleichsam zu ihrer langen Ruheein, worin sie, wie in wohlthätigem Schlummer, ihre Kräfteverjüngt. Aber der Mensch ist geborgen und versorgt. SeineVorrachskammern sind gefüllt, es wird Keiner verderben.

So hast Du es angeordnet, Vater meines Lebens. Auchich war in den Plan Deiner Liebe eingeschlossen; auch ich binnicht von Dir vergessen. O hinweg, meine Kleinmüthigkeit!Warum zittere ich sorgenvoll vor künftgen Tagen? Warumbin ich traurig, wenn ich wahrnehme, wie Krieg und Verheerungmeinen Wohlstand vermindern? Der das Glück aller seinerErschaffenen so sorgsam bereitet: er wird mein nicht vergessen,mich nicht sinken lassen! Dem Menschen fehlet niemals GottesGnade, wohl aber Vertrauen zu seiner Weisheit und Liebe: esfehlet ihm niemals das Nöthige, wohl aber Genügsamkeit mitdem Röthigen!