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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
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der Luft mit gleicher Ordnung, aber in gewaltigem Ausdehnun-gen in Höhe, Tiefe und Weite.

Wie wir mit zwei Augen doch jeden Gegenstand nur einfachsehen, so hören wir auch, ungeachtet des doppelten Gehör-werkzeuges , jeden Ton nur einfach. Welche unermeßliche Ueber-einstimmung und Genauigkeit muß also in der Bildung derGehörgänge und Nerven stattfindcn! Der zarteste, von keinemmenschlichen Auge erkennbare Unterschied würde Verwirrungerzeugen müssen. So finden wir in der That bisweilen, daßPersonen, welche sehr bestimmt und leise hören, das Nahe wiedas Ferne, doch die Klänge nie in ihrer ganzen Reinheit ver-nehmen. Dies erhellet besonders, wenn sie sich vorsetzen, solcheim Gesänge nachzuahmen. Das falsche Gehör scheint aus einergeringen Abweichung in den innern Bildungen beider Gehör-werkzeuge zu entstehen, und es würde verschwinden, wenn sieden Ton nur mit einem einzigen Ohre hören möchten.

Geruch, Gesicht und Gehör werden mit Recht die edlemunserer Sinne geheißen, denn sie sind es, welche unfern Geistam meisten mit Erfahrungen aller Art bereichern. Wie derGeruch am meisten mit dem Erinnerungsvermögen Zusammen-hänge, das Sehen hingegen dem Gedächtnis wie der Einbildungs-kraft den meisten Stoff von der Außenwelt zuleitet: so ist es derGehörsinn, welcher am unmittelbarsten nicht nur auf Gedächtnisund Einbildungskraft, sondern auch auf die Empfindungen undderen Belebung wirkt.

Wer aber wagt es, die geheimnißvolle Verwandschaft äußererKlänge und innerer Gefühle zu erklären? Mir vermögen esnicht, so lange uns die in der Natur wohnenden Kräfte in ihrerVerbindung dunkel sind. Der einzelne Schrei des Thieres wirdvon Thieren der gleichen Gattung verstanden, und der ängstlicheTon der Henne bei Wahrnehmung des in den Lüften drohendenRaubvogels, wird von den Küchlein verstanden, die kaum dasLicht gesehen, und sich unter die Flügel der rufenden Mutterverbergen. Jeder Ton, den das Thier ausstößt, ist Stimmeder Natur und keine Sprache. Denn Sprache ist aus will-kürlichen Tönen zusammengesetzt, die erst durch Aufnahme ins