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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
329
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stände der Empfindungen zu erkennen. Des Löwen erschreck-liches Gebrüll macht die trotzigsten Thiere der Wildniß beben,und entspannt ihren Muth.

Was dem Auge die Farben, das sind dem Ohr die Töne;was jenem die Gestalten, sind diesem die Worte der Sprache.Aber wie der Sinn des Auges edler ist, als der Geruchssinn,weil er der Seele einen größern Reichthum von Vorstellungenzuführt: so ist der Sinn des Gehörs edler, als der des Sehens.Ohne Gehör wäre keine Sprache; ohne Sprache keine Deut-lichkeit der Vorstellungen, keine Mittheilung der Gefühle undGedanken. Der Taubstumme ist eins der unbeglücktesten Wesen;für ihn fehlt die schönste Seite der Schöpfung. Kein fremdesHerz kann sich in das Seinige ergießen; keine Vorwelt hat fürihn gelebt: ihre Erfahrungen sind für ihn verloren, ihreTugenden dauern ohne seine Bewunderung; er lernt die Ge-bräuche des Lebens, aber nicht die daran geknüpften höhernBegriffe; seine Einsichten sind verworren, denn nur was wir inWorten denken, wird bestimmt und lklar gedacht alles Andereist ein undeutliches Hinbrüten. Für ihn bleibt die Gottheitdichter verschleiert; er ahnet sie aber in dunkler Ferne. SeinLeben ist ein Gcwohntsein; die Natur und Menschheit für ihnein räthfelvolles Schauspiel, das an seinen Augen vorüberzicht,ohne Plan und Zweck.

Heil den Menschenfreunden, den Edeln, welche die gött-liche Kunst erfanden und übten, crbarmungsvoll den Taub-stummen aus seiner Verstoßung aufzurichten, und ihm durchden Sinn des Auges die Vorstellungen von dem Unsichtbarenzu geben, welche wir nur durch das wunderbare Mittel derSprache empfangen! Sie sind Seelenretter, denen der schönsteEhrenkranz der bessern Menschheit gebührt; sie sind Vormünderder Allverwaiseten, welche sie zur Gottheit und Ewigkeit mitsich leiten.

O Vater im Himmel, auch sie sind ja Deine Kinderundauch diese Unbeglückten rufst Du zur Seligkeit. Dunkel ist DeinRathschluß, daß Du ihrer unsterblichen Seele hienieden ein un-vollkommeneres Werkzeug verliehen. Ach, Du zeigtest uns an