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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
327
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Lebens? Aber durch welchen Zauber mögen Töne über dasGcmüth eine solche Herrschaft üben?

Der Saitenklang von Davids Harfe zerstreute SaulsScknvcrmuth. Das Geräusch kriegerischer Musik erweckt denMuth zum Kampf. Die majestätischen Stimmen der Orgelerheben das Gemüth zu höherer Andacht. Schon sind Krankegenesen durch die stärkende Macht des Gesangs, und Wahn-sinnigen kehrte auf dem weichen Strom der Töne die verlorneBesinnung wieder zurück. > Bei vielen der gesittetsten Völkerdes Alterthums gehörte dieHlnwendrmg der Musik zu den öffent-lichen Anordnungen, die Sitten edler, den Geist erhabener,den Sinn der entzweiten Menge einiger zu machen. Damalswar die Tonkunst noch einfacher, der Gesang naturgemäßer.Beides mangelt unfern Tagen fast ganz, da man den Zweck derKunst über Künsteleien aus den Augen verlor, und die Be-wunderung einer mühsamen Gelehrtheit Vielen köstlicher dünkte,als die Urbestimmung der Töne, welche ihnen der Schöpfer an-wies, das schlummernde Gefühl zu wecken, und die Seelegleichsam zum Aufschwung in höhere Regionen zu beflügeln.

Alle Völker, sobald sie sich nur aus dem tiefsten Staube derThicrheit zum Menschlichen erhoben, kannten die überirdischeMacht sinnvoll geordneter Töne. Der Wilde in Wüsten undWäldern, kaum fähig, die ersten Bedürfnisse des Lebens demErdboden abzugewinnen, fühlt schon die Wollust des Gesangs,und erfindet früher das Werkzeug zur Hervorbringung ohr-und herzberauschender Wohlklänge, als den Pflug für den Acker.Bei allen Völkern, welche Religionen sie auch haben mögen,ist die Tonkunst eine Begleiterin des Gottesdienstes, und es istdie Strenge derer tadelnswürdig, welche die Verehrung deshöchsten Wesens von allem Sinnlichen entkleiden wollen.

Oer Sterbliche, der zugleich im Staube und im Himmel,im Endlichen und Unendlichen athmct, hat den Geist, um dasIrdische zu beherrschen, und hat das Irdische, um den Geistzu vervollkommnen. Beide regen sich in lebendiger Wechsel-wirkung. Wenn sich das Laster mit allem Schmuck der Sinn-lichkeit ziert, um Herzen zu vergiften: warum wollet ihr der