.Schone und Erhabene erkennen und empfinden, was dem ver-nunftlofen Geschöpf verborgen bleibt, — und mehr als dies, ersoll den Schöpfer ahnen in Allem, was er erblickt.
Beklagenswürdig sind die Unglücklichen, welche nur Augenzu haben scheinen, den Thieren gleich, um ihre Nahrung zusuchen und niedrigen, sinnlichen Gelüsten nachzueilen! — Siesind es, von denen Jesus sagt: Sie haben Augen und sehennicht! Für sie hat nur das einen Werth, was ihrem Körperwohlthut, was ihren irdischen Wohlstand mehrt. Sie sind zusehr Thiere, um sich auf den Fittigen des andachtsvollen Blickesgen Himmel zu schwingen! — Und doch empfinden sie das Schöne,aber sie lieben es nur, weil es ihren Nerven schmeichelt. Unddoch ist ihnen das menschliche Angesicht das schönste, in welchemsich die reinsten Tugenden des Gemüths ausdrücken.
Man sagt, das Auge sei ein Spiegel der Seele, ein Ver-räther des Gedankens. In der That ist kein einziger unsererSinne, auf welchen die Seele geschäftigem Einfluß zu übengewohnt ist, als das Auge. Daher bezeichnen sich alle Gefühleund Leidenschaften so schnell und unwillkürlich durch dasselbe.Auch der feinste Heuchler findet in einem wenig beachtetenBlick seinen Verräther. Betrachte den Zornigen — er strahltgleichsam verzehrendes Feuer aus; — den Schuldbewußten, erkann den Blick-nicht fest zu euch erheben; — den Tückischen,er möchte sich vor euch verbergen; — den Redlichen, der nichtszu scheuen, und keine Schuld zu verheimlichen hat, er zeigteuch den offenen, Hellen, freundlichen Blick der Unschuld, durchwelchen ihr in die Tiefen seiner Denkart niedersehet.
Auch in dieser merkwürdigen Einrichtung der Natur liegt einhöherer Zweck Gottes. Daß die Gemüthsart des Sterblichensich so schnell in seinen Blicken spiegelt, scheint nicht bloß zurAbsicht zu haben, daß wir uns vor Unsersgleichen hüten können,wenn er gefährlich ist, oder uns an ihn anschließen, wenn ergutartig scheint: nein, die Tugend liebenswürdig, das Lasterekelhaft zu machen, schon durch den bloßen Sinn des Gesichts,ist eins der zahllosen Erziehungsmittel des menschlichen Gerschlechts in der Hand Gottes. Seelenvollkommenhcit ist immer