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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
323
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Der sich nicht verengern läßt, durch das allzublendende Tages-licht genörhigt, nur in der Nacht ihr Geschäft zu treiben. Siebeleben die Finsterniß denn immer soll überall Leben sein.So ist der Wille der Gottheit. Sie gab Jedem nach seinemBedürfnis, nach seiner Bestimmung, und versah selbst Thicremit ungleich stärkerm Blick, als den Menschen, da bei jenenDer Sinn zu ersetzen hat, was dieser durch seine erhabnere Seelezu bewirken weiß. Der Wurm, in der Tiefe des Erdbodenswühlend, erkennt sich dort; und der Vogel, hoch in den blauenLüften schwebend, erblickt die Nahrung klar, welche tief unterihm auf der Erde liegt. Der Raubvogel, welcher dem mensch-lichen Auge kaum als ein kleiner Punkt am Himmel bemerkbarschwebt, erkennt mit Helligkeit die kleine graue Lerche, wie siezwischen den grauen Erdschollen des Ackers sich bewegt, undmit Wetterschnelle stürzt er auf die ersehene Beute Rieder.

Doch den Thieren ist dieser köstliche Sinn nur Werkzeug derLebenserhaltung, und nicht mehr. Der Mensch erweitert durchihn das Gebiet seiner Erkenntnisse und Empfindungen. DasThier blickt mit gesenktem Antlitz nur zur Erde, aus der esentsprungen ist; aber aufrecht ist die Gestalt des Menschen. Erwirft den Blick zum Himmel in das Endlose des göttlichen Allshinein. Von der Gottheit stammt sein erhabener Geist, zu derer einst heimkehrt, inzwischen seine Staubhülle zur Erde fällt,an der sie haftet. Er bereichert durch den Sinn des Gesichtsden Schatz seiner Erfahrungen; er schärft durch ihn seine Urtheile;er bevölkert seine Einbildungskraft mit neuen Wesen.

Todt ist der Blick des Thieres für das Schöne der Natur undKunst. Der Mensch, obgleich nicht mit derjenigen Vollkommen-heit des Auges, wie sie von manchen Thieren besessen wird, siehtniehr, als jedes Thier. Er sieht in der Mannigfaltigkeit einewunderbare Ordnung; er sieht in den Schöpfungen das Schöne.Gefühle, dem Thiere fremd, entzücken ihn beim Anblick hoherGebirge, die über des Himmels Wolken hinwegragen, oder derfinstern Abgründe, die sich unter seinen Füßen aufspalten; beimAnblick weiter Landschaften voller Anmuch, oder einzelner Blumenvoll unnennbarer Pracht. Darum ist erMensch ! Cr soll das