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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
318
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der Menschen, der Bäume, des Himmels, der Gebirge lagernsich gegen ihn, wie ein ungeheures Bild. Er streckt die Hand,und will die Sonne betasten, und die Gipfel entlegener Bergeumspannen. Er hört Stimmen und Töne, aber Alles scheintihm Sprache zu haben; die im Winde wankenden Zwerge derBäume, die dahin rauschenden Wellen des Stroms, die Thier-und Menschengestalten, Alles hat ein wunderbares Leben; erweiß nicht, wem die Gabe der Sprache zukommt. Vater undMutter, Bruder und Schwester, sind ihm Fremdlinge; er mußdie Augen verschließen, um sich von ihrem Dasein zu überzeugen.Der Glanz des Tages verschwindet mit dem welterleüchtendenGestirn Hügel, Thäler, Gärten, Wohnungen, Menschenverschwinden er begreift die neuen Verwandlungen nicht,und fragt, wohin sie alle geflohen? Er sieht die Wunder derFinfterniß, das Himmelsgewölbe mit den goldenen Sternen,den zauberhaften Schimmer des Mondes. Es ist abermalseine andere Welt, die um ihn her schwimmt. Aber die mattstrahlende Fackel des Lämpchens ist ihm so außerordentlich, alsdas ganze Firmament mit den zahllosen Lichtquellen. Ersieht, aber begreift das Wunder nicht; er sieht, aber verstehtdas Gesehene nicht.

So wird uns einst vielleicht sein, wenn die Hand des Todesunsere irdischen Sonnen auslöscht, und die allmächtige Güteuns mit neuen Werkzeugen höherer Wahrnehmungen ausstattet.Auch wir werden in einem neuen Leben gleich Blindgeborncnsein, welche zum erstenmale mit der Empfindung des Lichts be-seligt werden. Wir werden uns selbst und das göttliche Weltallnicht mehr erkennen. Entzücken wird die neugebornen Geisterdurchzittern, wenn sie dann empfinden, wie dürftig ihre erstenSinne auf Erden waren, mit denen sie das All der göttlichenSchöpfungen schon durchforschen zu können glaubten. Wie derSehendgewordene erst nach Empfangung des Augenlichts seinevorige Armuth kennt, in der er sich schon zu reich dünkte, werdenauch wir, als Verklärte, erst den tiefen Stand und die Armuthder menschlichen Natur einsehen, in der wir jetzt schon uns sohoch erhaben wähnen.