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6 (1837) Gott in der Natur
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Hat er eine Vorstellung; mit der Finfterniß wäre wenigstensDoch schon der Begriff einer dunkeln Farbe verbunden. Für ihn- gibt es nicht einmal Finsterniß, so wenig als cs eine solche fürDas Gefühl der Hand gibt. Härten wir statt des Auges nur-Wange: so würde eben so wenig Dunkelheit als Licht empfind-bar sein. Für ihn ist nichts, als was er Horen, betasten,schmecken, riechen kann.

Umsonst lächelt ihn die trauernde Mutter an, und beugtsich still weinend über ihn. Cr weiß nichts von der SchönheitDes menschlichen Angesichts, nichts davon, wie sich die Seelein allen Mienen abspiegelt. Er versteht nicht die Hälfte vonDer Sprache, die er lernt und hört, so wenig wir die Sprachehöherer Wesen begreifen würden, wenn sie, mit erhabenereSinnen ausgerüstet, von ihren Wahrnehmungen zu uns redenkönnten; für ihn gibr's keine deutliche Vorstellungen von FarbenLind Gestalten, von Fernen und Nähen. Er kennt nur dasEinzelne, was sein Finger betastet. Ihm unterscheiden sich dieZeiten des Jahres nur nach Wärme und Kälte; Tag und Nachtmur nach dem Schlafen und Wachen der Menschen. Er strengtvergebens seine übrigen Sinne an, den fehlenden Blick zuersetzen. Sein feineres Ohr unterscheidet nähere und fernereTöne, ohne die Ursachen zu erkennen; sein Gefühl die Farben,aber ihren Glanz ahnet er nicht, sondern er bemerkt nur daSTrockncre und Feuchtere, das Rauhere und Glättere. Was istes denn, fragt er bei sich, was meine Brüder sehen können? ^Sie müssen höherer Naturen sein, als ich. Für sie ist die Weltunendlich größer. Sie haben ein Vermögen, Dinge der Zukunftzu wissen, welche ich noch nicht höre.

Und welch ein entzückenvolleö Schrecken durchbebr den Blind-geborncn, wenn ihm das Auge geöffnet wird! Man hatrhm eine unbekannte Weit, ein anderes Leben gegeben. Er istvon Neuem ein Fremdling unter dem Himmel. Er findet sichin seinen gewohntesten alltäglichen Dingen nicht mehr zurecht,und muß die Augen schließen, um sich selbst und das wieder'zu erkennen, was ihn umringt. Er schwebt in Lüften. Er unter-scheidet nicht das Entfernte vom Benachbarten. Die Gestalten