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So wie dieser Sinn für uns ein Wächter der Gesundheitist, wird er auch der erste Bote innerlicher Krankheiten. Nichtnur werden kranken Menschen viele Speisen ekelhaft, die ingesunden Lagen sie erfreuten, sondern der Geschmack kann sichso verwandeln, daß ihn Manches angenehm reizt, was er sonstznrückstieß.
Auch hier hat die Gewohnheit ihr gewaltiges Recht. DerMensch hat das Vermögen, durch fortgesetzte Uebung dasjenigesich erträglich, sogar im Geschmack angenehm zu machen, wasihm vormals Ekel verursachte, und der dadurch entspringendeGenuß sehr mannigfaltiger Nahrungsmittel hat keinen geringenEinfluß auf seine Gesundheit, Lebensdauer, und sogar auf feineGemüthsart. So ist es durch Erfahrung bestätigt, daß fleisch-'fressende Thiere wilder und unbändiger sind, als solche, die vonKräutern leben. So bemerkt man, daß weinbauende Nationenheilerer und lebhafter sind, als diejenigen, welche sich andererGetränke bedienen; daß Volker, die größtenteils vom Fleischd.er Thiere leben, kriegerischer und feuriger sind; hingegen andere,die statt dessen von Mehlspeisen, Früchten und Gemüsen ihreHauptnahrung machen, sich durch Sanftheit und menschlichen:Sinn auszeichnen; daß Menschen, welche aus Leckerhaftigkeitdie verschiedensten Nahrungsmittel wählen, wenn sie nur ihremGaumen schmeicheln, und die mehr des Geschmacks als des Be-dürfnisses wegen essen, nicht so lange leben und mehrern Krank-heiten unterworfen sind, als Personen, die an einfache Speisenund Getränke gewöhnt sind, und daher Mäßigkeit lieben.
Gott begabte den Menschen mit den: Geschmackssinn, umihn in den Stand zu setzen, dasjenige auszuwählen, was zur Er-haltung seiner Gesundheit und seines Lebens am taug-ichsten ist.Einzig und, täglich für die Nahrung zu sorgen, ist das Geschäftdes vernunftlosen Thiercs. Der für die Ewigkeit berufene Geistdes Menschen kennt noch erhabenere Sorgen. Aber wenn er zurHauptangelegenheit seines Lebens den Kitzel seines Gaumensmacht; keine größere Freude kennt, als die Reizungen diesesthierischen Sinnes — dann sinkt er selbst zum Thier hinab,und wird durch Unmäßigkeit und Schwelgerei noch niedriger