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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
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nachteilig ist, verräth stch der Zunge durch seinen zusammen,ziehenden, Ekel erregenden Geschmack. Warum haben dieGiftpflanzen meistens einen widerlichen Geschmack? Wahrlich,überall nehme ich Gottes weise Obsorge wahr, deren Zweck ist.Die erschaffenen Wesen freudig und gesund zu erhalten.

Die Zunge ist zwar das vornehmste Werkzeug des Geschmack-stnncs; doch auch andere Theiie des Mundes sind von duffem.zur Erhaltung des Lebens nöthigen Vermögen nicht ausgeschlossen.Auch mit dem Gaumen und dem Schlunde selbst schmecken wrr,und oft manche Speisen sogar schärfer, als mir der Zunge.Weichheit und beständige Feuchtigkeit dieser Werkzeuge machensie besonders zu solchem Geschäfte fähig, und selbst die seifen-artige Beschaffenheit des Speichels muß dazu dienen, sowohlwässerige als ölige und fette Theile aufzulösen, und den Gc-fchmacksnerven näher zu bringen.

Es ist dieser merkwürdige und wohltätige Sinn also einElgcnthum aller Thiere. Ja man möchte ihn selbst den Wurzelnund Blättern der Pflanzen einigermaßen zuschreiben. Denn eSist bekannt, daß auch sie alle in Erde und Luft vorhandenenStoffe zurückstoßen und unberührt lassen, die nicht zu ihrerNahrung taugen, und hingegen diejenigen einsaugen, die nachden Anordnungen des Schöpfers ihrem Gedeihen heilsam sind.

Es scheint inzwischen, als wenn die Vollkommenheit oderZartheit des Geschmacks mehr oder weniger mit der Feinheitdes Gcfühlsinnes in Verbindung stände. Bei den Fischen, Vögelnund kräuterfressenden Thieren ist letztere weniger empfindlich,auch haben sie keinen so auswählenden Geschmack, als andere,besonders fleischfressende Thiere, welche schon an der gleichenSpeise die leckerhaftesten Bissen zu unterscheiden wissen.

Bei wilden Völkern findet man den Geschmackssinn eben sowenig ausgebilder, als ihre G.fühlswerkzeuge unempfindlichersind. Hingegen hat man auch Gelegenheit, oft die Erfahrungzu machen, daß Menschen, die ihren Geschmackssinn durchLeckerhaftigkeit ganz besonders verfeinert haben, und dadurchgleichsam tierischer werden, um so geringer an Geisteskräftenzu sein pflegen.