Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
292
Einzelbild herunterladen
 

Sklave seiner Werkzeuge zu werden, und ihnen zu dienen!Es wäre eine Umkehrung aller Begriffe, eine Verwechselung;des Zweckes und des Mittels; wir würden es Verrücktheit desVerstandes heißen.

Was thut aber der verzärtelte Weichling, welcher jede un-angenehme Empfindung scheut? Was thut der üppige Wol-lüstling , der kein höheres Gut als diesen Kitzel der Gefühls-Werkzeuge kennt? Ist er nicht ein Sklav einiger seiner Nerven?Athmet er nicht einzig für sie? Arbeitet und sorgt er nicht bloßfür sie? Setzt er nicht seine ganze Welt in Bewegung für sie?Lebt seine ganze Seele nicht bloß in ihnen?

Ohne Schätzung des Werkzeuges, welches uns die göttlicheHuld verlieh, werden wir unbrauchbar für die Welt. Abernicht mißbrauchen sollen wir das Werkzeug, sonst wird es un-r-tauglich zum Behuf des Geistes. Der ganze Leib ist, geschweige-einige Nervenarten desselben, unendlich geringer, als die Seele-Für die Sache des Geistes muß endlich selbst das Werkzeug auf«-geopfert werden. Die Sache des Geistes aber ist seine Freiheit^seine Tugend.

Wer sich selbst verzärtelt, setzt seinen Körper größern Ge-fahren aus, als der sich gegen unangenehme Gefühle abhärtetWer seine Nerven gegen jede allzustarke Reizung hütet, setzt ste-in Gefahr gänzlicher Zerrüttung durch Zufälle, welche er miraller Vorsicht nicht abzuwenden im Stande ist.

Oer Mensch ist geschaffen, unaufhörlich mit der ihn um-gebenden Natur in Berührung zu stehen. Selbst der mannig-faltige Einfluß der Witterung und Beschwerlichkeiten aller Arserheben seine Kraft. Vermeidung derselben ist Selbstschwächung^-Vernichtung der Gesundheit und Zwang der Seele, daß sie dieDienerinnen ihres untauglichen Werkzeuges werden.

Wie verächtlich muß mir der Weichling erscheinen, der dieHoheit seines Geistes für das Gefühl der Lust einiger seinerNerven hingibt! Er ist weniger als das freie Thier. Er verkehrtdie Ordnungen der Natur; aber er thut es nicht ungestraft.Erschlaffung und allzugroße Reizbarkeit zerstören ihn; ein rauhesLüftchen verwüstet seine Gesundheit; eine Mühseligkeit wirft