wandes der Seele reizt ihre Aufmerksamkeit nicht; — dasKunstwerk von Menschenhänden ist ihnen bedeutender, als daSKunstwerk des Schöpfers, der den menschlichen Leib aus derErde bildete, und diese erhabene, von ihm beseelte Gestalt zurschönsten unter den Bewohnern des Erdballs machte.
Nichts sei dem Christen fremd, was ihm von seinem Vaterim Himmel kam; und den Leib, welchen seine Seele für einigeJahre bewohnt, soll er als das köstlichste Geschenk des himm-lischen Gebers schätzen. Er muß mit Hiob rufen: Du, Vater,Du hast mir Haut und Fleisch angezvgen; mit Beinen undAdern hirst Du mich zusammengefüget; Leben und Wohlthatenhast Du an mir gethan, und Dein Aufsehen bewahret meinenAlhem. (Hiob 10, 11. 12.)
Das ganze Gebäude des menschlichen Leibes ist durch einehöchst weise und wunderbare Zusammenfügung der Gebeineemporzehalten. Es sind zweihundert und neunundfünfzig voneinander verschiedene Knochen, aus'denen das Gerippe desmenschlichen Körpers gebaut ist. Merkwürdig ist dabei, daßdie meisten dieser Knochen doppelt vorhanden sind; nur die-jenigen, welche in der Mitte des Gerippes liegen, sind einfach.So ist es auch mit allen zu diesen Knochen verbundenen andernTheilen, so, daß, wenn man das Gerippe vom Scheitel biszur Ferse theilte, es in zwei vollkommen ähnliche Hälften zer-fallenwürde, zwei Füße, zwei Hände, zwei Ohren, zwei Augenu. s. w. So ist der menschliche Leib gleichsam ein zusammen-gefügtes Doppelöild. Der Verlust eines seiner Th eile ist einiger,nraßen durch die Anwesenheit eines andern entschädigt. Undungeachtet dieser fast durchgängigen Doppelheit empfindet derMensch doch Alles nur einfach. Er sieht, er hört, er fühlt nichtzweifach.
Dicht um die Knochen schmiegt sich die Beinhaut, ein zartesGewebe der feinsten Blut - und Wassergefäße, um das Wachs-thum der Knochen zu erhalten, die ursprünglich nur knorpelartigsind. Im zwanzigsten Lebensjahre erst sind sie in ihrer Voll-kommenheit; doch schon mit dem fünfzigsten fangen sie wiederan leichter und brüchiger zu werden.