Immer finsterer wird der Himmel. In feierlicher Ruhewartet der Erdball. Die Thiere des Waldes verbergen sichschüchtern in ihren Höhlen. Einzelne Vögel schwärmen weiß-glänzend unter den dunkeln Gewölken; ste sehnen sich der all-gemeinen nahen Erquickung entgegen, die Gott sendet.
Ein leichter Wirbelwind zieht über die Straßen und Hüttender Menschen hinweg, und führt Säulen aufsteizenden Staubesvorüber. Er ist der Bote des kommenden Gewitters. Schonrauscht das Laub der Bäume von einzeln fallenden Trspfendes Regens; schon rauscht ein dumpfer Wiederhall deö fernenDonners um unser Ohr. Ein Sturmwind erschüttert den Wald;ein dunkler Regen strömt über die Landschaft; ein Feuerstrom >zerreißt die Wolken, und der Donner bezeugt Gottes Herrlichkeitund ewige Macht. — Dem Christen pocht das freudige Herz,und seine Zunge stammelt in dem furchtbar-schönen NaturgesangDes Donners und der Stürme : „O wie groß, wie groß istGott!" — Der bleiche Sünder bebt und fragt: „ Ist dieStunde meines Gerichts vorhanden?"— Der Gottesläugnersieht unter sich die zitternde Erde, über sich die Wolken, diewunderbar in ihrem Schoosr Feuerflammen und Wasserströmenähren können, und spricht zwischen den fallenden Blitzen: „Ja,«s ist ein Gott! "
Der wahre Christ ist im Gewitter und während deö Kampfesaller Elemente in seiner Gemüthsruhe unverändert. Er lebt inGoktesvcrehrung. Er kennt die Güte und Weisheit seines himrn-sischen Vaters; er preiset sie nur lauter. Er ist voll innigenVertrauens auf die himmlische, Alles leitende Vorsehung. Erzittert nicht für sein Leben; dies und alles Andere ist ja inGottes Hand. Um uns zu tödten, bedarf es wahrlich nicht einesAufruhrs der ganzen Natur. Ein Tropfen Bluts, der in unfernAdern stockt, eine kleine zarte Fiber, die in unserm Körperbauzerreißt, ist hinlänglich, uns zu den Todten zu führen.
Die Furcht des Menschen bei Gewittern ist mehr oder wenigereine Folge seiner Kleinmüthigkeit, seines schwachen Glaubens andie göttliche Vorsehung, seiner unchristlichcn Vorstellungen, die er