sich von Gott selbst und den göttlichen Absichten in der Schöpfungmacht.
Zwar kann auf die empfindsamen Nerven mancher Menschendie Gewitterluft solchen Einfluß haben, daß daraus eine unwill-kürliche Bangigkeit in ihnen entsteht. Allein dies unangenehmekörperliche'Gefühl kann durch festen Willen, durch deutlicheVorstellung von der Gefahrlosigkeit der Gewitter, überwundenwerden; durch die Uebcrzeugung und Erfahrung, daß von vielentausiud fallenden Blitzen kaum einer zum Nachtheil des Menschenniederfährt; daß die Gefahr des Blitzes eben so gut durchSicherheitsmaßregein verhütet wird, als man sich vor Feuers-und Wassersnoth oder andern Gefahren durch Klugheit undGebrauch des dazu von Gott gegebenen Verstandes verwahrenkann; daß ein Metallstab, der vom Gipfel unserer Wohnungbis zur Erde niedergeht, den stärksten Blitz gleichsam eintrinktund unschädlich für das Haus macht, welches uns beherbergt.Zur Selbstberuhigung solcher Menschen beim herrlichen Schauspieldes Gewitters ist es allerdings Pflicht, daß sie jene Sicherheits-maßregeln anwenden, und Gebrauch von der Kraft machen, dieGott dem Metall ertheilte, uns vor der zerstörenden Gewaltdes Blitzes zu bewahren. Machen wir nicht Gebrauch von derKraft des Wassers, um die Flammen zu löschen, daß sie nichtunser Haus verzehren? Machen wir nicht Gebrauch von derKunst des Schwimmens, um unser Leben zu retten, wenn wirin die Wellen stürzten? Machen wir nicht Gebrauch von derKraft wohlthätiger Kräuter gegen Krankheiten, die uns zu tödtendrohen? — Gott, Du gabst mir Einsicht und Verstand, daßich zu meiner Erhaltung Deine Geschenke gebrauchen sollte;frevelvolle Thorheit ist es, Deine Gaben, Deine Geschenke zuverschmähen, keinen Gebrauch von meinem Verstände zu machen,sondern Dich gleichsam zu versuchen, indem ich für meine Er-haltung beständige Wunderthaten von Dir fordern und erwartensollte!
Uebcrhaupt ist leider niemals unchristlicher Aberglaube leb-hafter als bei Gewittern; niemals zeigen die Sterblichen un-würdigere Vorstellungen von Gott, als wenn er sich am er-