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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
246
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Gefühlen der Dankbarkeit und Liebe. Und wenn sein Wink dieNatur erschüttert, daß Wasserfluthen und Flammengüsse ausden Dsnnerwolken Hervorbrechen, die Grundfesten der Erdewanken, Berge einstürzen und Stürme die Wälder zerschmettern;oder wenn seine Hand finstere Verhängnisse über das verzagendeMenschengeschlecht herbeiführt: wer nennt das Wort, welchesdie Allgewalt des Allmächtigen erschöpfend lehrt? Der bangeGeist erzittert, und geht in den Empfindungen stillen Grauensunter. Die Hoheit des Unendlichen, welche die Vernunft nichtfassen und begreifen kann, stürzt den Geist in Schweigen, undläßt ihn nur noch in Gefühlen beten. Darum ist die Musik,diese Sprache der Gefühle, mit Recht dem Gottesdienst geweiht,und eine heilige Zunge der Andacht geworden.

Darum ist es nicht gleichgültig, ob unsere Gesänge beiöffentlichen Gottesverehrungen, ob die Töne, welche unserefrommen Empfindungen erwecken, leiten, erheben, verschönernsollen, besser oder schlechter gebildet und zusammengeordnet sind.Der hohen Glocken Klänge und Orgcltöne Majestät erfüllt auchdie Brust des rohen Menschen mit wunderbarer Ehrfurcht, undversetzt den Leichtsinnigsten in eine feierliche Stimmung. Wasdie Beredsamkeit des weisesten Kanzelredners nicht vermag, be-wirkt oft ein heiliges Lied durch die Zaubergewalt der Töne.Es bricht das harte Herz; es erglüht das kalte Gemüth; eserwacht und steigt der tiefgesunkene Geist auf den Fittigen neu-belebter Gefühle zum Throne des Ewigen; der vormals frecheBlick verdunkelt sich in Thränen der Rührung, und der Seufzerzittert aus der beengten Brust als Gebet zum Himmel empor.Was zur Verschönerung der Gottestempel, was zur Feierlich-machung der Verehrung des höchsten Wesens, was zur Auf-regung frommer Empfindungen und erhabener Gesinnungen bei-tragen kann, ist Pflicht, zu befördern. Denn alles Aeußerewirkt aufdas menschliche Gemüth mit unwiderstehlicher Macht.Es ist eine allerdings tadelnswürdige Vernachlässigung des Volks,und ein Abbruch, welcher der Religiosität geschieht, größer alsman glaubt, wenn man Kirchen armselig, baufällig, unreinlichläßt, die zu feierlicher Versammlung, christlicher Gemeinden be-