Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
226
Einzelbild herunterladen
 

L26

Wenn ich das große Weltgebäude von dieser Seite betrachte,wie erstauncnswürdig erscheint es mir da! wie neu, wie räthsebHaft! und wie groß und erhaben der Allweise in seiner unbegrenz,ten Haushaltung! wie anbetungswürdig der Allmächtige, welcherdie verschiedensten Elemente verbindet, um Wohlthat, Segen,Entzücken der von ihm erschaffenen Wesen zu werden.

Wenn ich, o Allerhöchster, auch nur Deine Wohlthätigkeitschildern wollte, wie sie sich in einer einzigen Deiner Gaben,nur in der nützlichen Wirksamkeit der Licht - und Wärmestrahlcnkund thut: mein Leben würde nicht zureichen, den einzigenGegenstand zu erschöpfen, und den ganzen Umfang DeinerMilde darzustellen. Und doch würde ich nur den kleinsten Theildes Werthes Deiner Gaben preisen können, denn der größereTheil desselben ist für meinen schwachen, eingeschränkten Geisthienieden noch unerforschlich.

Ich erhelle meine Nächte durch dm Schimmer des künstlicherweckten Lichts; verbanne des Winters erstarrende Kälte vonmeinen Gliedern durch die Wärme sclbstbereiteter Gluth; ich seheam Sonnenstrahl die Früchte des Feldes, der Bäume köstlichesObst, die Traube am Weinstock gähren und reifen, und bereitean der wohlthätigen Flamme des Herdes meinem Körper gesundeNahrung und Speise. Metalle zerfließen in der Hitze des Feuers,und nehmen Gestalten an, wie sie zu meinen Bedürfnissen taugen.Der Säugling strebt dem Lichtstrahl entgegen, der Greis nacherquickender Wärme.

Was Gott schuf, ist Segen. Nur des Menschen Sünde,feine Unwissenheit oder seine Bosheit, verwandelt auch denSegen in Fluch. Darum, so nützlich und lieblich, eben soschrecklich ist auch die mißbrauchte Macht des Feuers.

Am furchtbarsten erscheint die Gewalt desselben in derNatur, wenn sich finstere Wetterwolken zusammenziehen, unddie Strahlen des Blitzes über die stumme, schüchterne WeltHinbrennen. Furchtbar, aber dennoch schön! Furchtbar, aberdennoch segensvoll! Denn was von Gott kommt, ist Segen undgut; wie das Wasser, so die Flamme! Nur des MenschenUnvorsichtigkeit und Thorheit macht sich oft das zum Verderben,