Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
213
Einzelbild herunterladen
 

Blut desselben, welches durch verborgene und wunderbar ver-schlungene Adern seinen Umlauf hält, die Gipfel der höchstewBcrgemit Quellen versieht und den Himmel mit Wolken bedeckt.

Es steigt ringsum von der Oberfläche der Erde in Dampf-gestalt verwandeltes Wasser alltäglich und allnächtlich zumHimmel. Nebel nennen wir die sichtbaren Ausdünstungen,wenn sie uns nahe, Wolken, wenn sie hoch über unfern Häupternschweben. Sie bilden den wohthätigen Regen, welcher denlechzenden Erdboden erfrischt, und die Pflanzen erquickt, wennsic in des Sommers Hitze zu verschmachten dbohen. Ost ist unserHimmel heiter und die Erde ausgetrocknet; die Blumen welken;Gras und Kräuter hängen schlaff nieder und drohen zu verdorren;selbst die Thiere des Feldes schmachten vor Durst. Woher einRegen, der Alles überströme, da der Himmel wolkenlos, der ent-kräftete Erdboden fast ohne Ausdünstung und die Luft glühend ist?

Sturmwinde, die Diener Gottes, führen auö tausend Meilenweiten Fernen plötzlich Gewölke herbei. Nebel, die in den entlegen-sten Welttheilcn aufstiegen, beschatten nun als Wolken unsereheimathliche Flur, und Dünste, die in unbekannten Wildnissen sichbilden mußten, falle jetzt in fruchtbaren, erquickenden Tropfen aufunser vaterländisches Feld. Wie muthig erheben die getränktenKräuter und Blumen nach dem warmen Regenschauer ihre Gestalt;wie grün strahlen die Wiesen, wie frisch die benetzten Wälder;wie balsamische Wohlgerüche durchfließen die abgekühlte Luft!

Den reichsten Wasserschatz auf dem festen Lande sammeln aberdurch Gottes weise Veranstaltung die Gipfel der Hochgebirge.Sie sind gleichsam die Vorrathskammern von diesem Theil desSchöpfersegens, der von da uns jederzeit, doch sparsam und zurNothdurst, zufließt. Denn außer jenen tiefen Quellen, welcheAbsonderungen des Meeres sind, die sich in verborgenen unter-irdischen Klüften verloren, und durch ihren eigenen Druck zwischenden Spalten der Felsen bis zur Spitze der Berge emporgetriebenwurden; außer den nie ganz schmelzenden Ungeheuern Schnee-und Eislasten, die der Rücken der Berge trägt, und von woherbeständig Wasser abfließt, ziehen auch die Wälder der hohen Bergegern die Nebel an, welche sich dort in Tropfen Niederschlagenund so durch ihre Feuchtigkeit die Quellen mit Wasser vermehren.