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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
212
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Dies lehrt mich die Betrachtung der Natur an jedem Tage.Ich sehe in ihr nur einen beständigen Umtausch der Gestalten, einebeständige Auflösung und Verjüngung. Im Herbste sanken tausendund tausend Wesen in den Staub; der Frühling ist begonnen,und tausendmal tausend neue Wesen steigen blühend wieder insLeben auf. Die junge Pflanze, welche aus dem kleinen Samen-korn hervorkeimt und grünt und blüht, hat ihren Schmuck, ihreHülle nur von dem Staub ihrer verweseten Mutter geborgt.Und ist es ein anderes mit dem Leichnam der Menschen?

Die Natur ist unaufhörlich in gährender Thätigkeit. OhneRuhe bewegt sich Alles nach Gottes ewigen Gesetzen. Wir schlafen,aber die Kräfte der Schöpfung kennen keine Rast. Wir schlafen,aber während unsers Schlummers ziehen die Gestirne über unshin: wandelt die Jahreszeit, arbeiten die Pflanzen, rauschen dieQuellen, ziehn die Wolken, sinkt der Thau, strömen die Winde.Wir schlafen, aber ohne Bewußtsein bleibt unser Athem thätig,rollt das Blut in den Adern fort, und jede Fiber, jede Muskelin uns ist voll handelnden Lebens. Wir schlafen, aber Gottwacht, und die Ordnung der Dinge geht ihren Gang. Einaugenblickliches Stocken der Millionen Getriebe und des unsicht-baren Räderwerks in der Weltenuhr wäre Weltenzcrstörung.

Nie bin ich geneigter, die Größe und Macht der göttlichenWeltregierüng zu beobachten und zu bewundern, als wenn ichmir selbst überlassen auf einsamen Lustgängen wandle, und hierdas rastlose Blühen, Leben und Streben von lebendigen Ge-schöpfen und Pflanzen um mich her wahrnehme, auf die keinSterblicher schaut, und die Gott erhält. Nie wird mir das Bildder stillen Unvergänglichkeit Heller, als wenn ich am Ufer einesBacheS durch die schöne, blumengeschmückte Einöde hinwandle,und unaufhörlich Welle an Welle an meinem Fuß vorüberrauscht.Die Wellen rinnen dahin; sie flössen seit Jahrtausenden; siewerden Jahrtausende fließen, und nie enden. Sie eilen zumWeltmeer, aber das Meltmeer erzeugt und nährt auch dieQuellen der Bäche wieder.

So halten die Gewässer des Erdballs ihren ewigen, nie unter-brochenen Kreislauf. Sie sind in dem Weltkörper gleichsam das