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6 (1837) Gott in der Natur
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Blätter und Halme und Blumen, und gossen balsamischen Hauchdurch die lauen Lüfte aus.

Dies ist Gottes Finger! Er, der Ewig-Allmächtige, derEwig--Holde, hat's gethan. Jeder neue Frühling, den ich hic-nieden erlebe, scheint mir noch prachtreicher als jeder vergangenezu sein. In jedem neuen Frühling spiegeln sich die ehemaligenFrühlinge meines Lebens wieder in schönen Erinnerungen ab,mein Dasein scheint sich zu vervielfältigen, je länger ich Jehovah'sSchöpfungen sehen darf.

Wie glücklich bin ich durch meines Gottes Güte, daß ichnoch athme, und mich meines Daseins erfreuen mag! Ach,mancher Edle entschlief indessen, und sah das Erwachen derNatur nicht wieder. Meine Geliebten, o ihr Theuern, derenAsche nun das Grab umfängt, ihr freuet euch nicht mehr mitmir der wicderauflebenden Schöpfung. Der frohe Gesang derVögel tönt nicht hinab in eure stille Gruft, und die Blumen,welche der Lenz mit vollen Händen streut, fallen nur auf dieHügel eurer Gräber!

Doch dieser irdische Frühling, der für euch sich nicht mehrschmückt; diese Morgen- und Abendröthcn, die für euch nichtmehr glühen; diese Lieder und Töne der Freude, welche nichtmehr für euch durch die Lüfte klingen; dieser Blumenglanz, derWiesen und Wälder und Gärten nicht mehr für euch ziert

sind sie für euch ein so^großer Verlust?-Nein, euch blühet

ein anderer Lenz, euch strahlen schönere Morgenröthen einesbessern Lebens; euch tönen andere Gesinge entgegen! Auchihr dort, wie ich hier im Erdenstaube, bewundert die Größeund Macht Gottes, aber verklärter, weiser, vollkommener,denn ich! Hier ist nur die schöne Vorhalle der Ewigkeit; imTempel selbst wandelt ihr schon.

O ihr Glückseligen, ihr zu Gott früher als ich Berufenen!Leicht möget ihr unter seliger» Gestirnen vergessen, was ihrhienieden verlassen habt. Doch während euch meine Liebe, meineWehmuth mit Treue durch die Ewigkeit nachfolgt, will ich michhienieden noch der kurzen Augenblicke meines Daseins erfreuen.Vielleicht ist auch dies einer meiner letzten Frühlinge, die ich sehe.