Gott aufsticg. Wie schaudernd war die Stille! Nun aberwacht der laute Jubel auf, und begrüßt den kommenden Lenz.
Und jeder Sänger in der Luft entfleucht dem Wintergrabe,und Flur und Hain ertönen von frohen Liedern. Quell undBach und Strom und Meer frohlocken. Anbetung des Ewig-Gütigen und Lob des Herrn ist die ganze Natur in der Feierihrer wundervollen Auferstehung.
Und wie alle Kreaturen, durchweht auch mich ein neues,himmlisches Gefühl. Ich athme tiefer, freier im Hellen Sonnen-glanz, in der heitern, von Wohlgeküchen durchströmten Früh-lingslufr. Der Thau des Morgens fällt über die Blumen nieder,und in den kaum entfalteten Busen der Rosen, wie Thränendes Entzückens, aus den Augen der Natur. So sinkt auchmeine Freudenthräne über die Wange nieder, und mein Seufzer,dem tiefbewegten Herzen entstiegen, mischt sich in das großeHallelujah der Erschaffenen.
Fröhlicher jauchzen die unschuldigen Kinder, die spielendrn den Blumen der Gärten und Wiesen tändeln. Verklärt durchein schöneres Gefühl tritt die blühende Jungfrau, der unter-nehmende Jüngling in die lächelnde Schöpfung hinaus. Gatteund Gattin vergessen des dunkeln Winters und der häuslichenSorgen; der Anblick der prachtvollen Schöpfung läutert ihrHerz und füllt es mit Ruhe und reiner Wollust. Der Greisselbst will sich verjüngen, tritt hinaus zum Sonnenstrahl undläßt sich von der erquickenden Wärme überströmen. Der Reichevergißt seine Marmorsäle: die Hand des Allmächtigen schmücktschöner, als der kühnste Witz des Sterblichen, die Welt. DerBedürftige verläßt die armselige Hütte: Gott baute ihm einenPalast, welchen Kaiser und Könige nicht herrlicher haben.
O Gott, o Schöpfer! wie unaussprechlich herrlich, wie un-aussprechlich gütevoll bist Du! Wenn ich Deine Wunderwerkeund ihren göttlichen Zauber empfinde, mich der Glanz der weitenNatur anlcuchtet, der Athem des Frühlings mich durchdringt,der Jubel der hochbeseligten Schöpfung mich umrauscht, undich die Freude der Menschen und des kleinsten Wurms wahr-nehme — dann wird mir, als möchte ich aufgelöset werdenLn dies schöne, unermeßliche All, um ganz in Dir zu sein.