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Wo kann ich Deine Majestät lebhafter anschauen, als imBuche der Natur? Wo kann ich Deine Weisheit, Deine Allmachtdeutlicher erblicken, als in dem Buche der Natur, das Du vormir ausbreitest? Wann ist eine Zeit des Jahres einladender,dieses Buch zu lesen, als die Zeit des allgemeinen Wieder-erwachens der Dinge im Frühling? — Ist der Frühling nichtein Auferstehungsfest der Erde ? Ist er nicht das hohe Gedächtniß-fest, welches die Narur den ersten Schöpfungstagen feiert, da sie,mit Millionen Wundern prangend, zum erstenmale aus Deinenallmächtigen Händen hervorging?
Könnte ich mich auf den Fittigen des Adlers hoch in dieLüfte schwingen; höher noch auf den Flügeln der Morgenröthedurch alle Himmel! Könnte ich tief unter mir den Erdball sehenund seine Reiche, wie sie sich abwechselnd unter dem festgeord-neten Gang der Jahreszeiten verwandeln!
Durch die unendlichen Räume des Weltalls schwebt, wieeine Feder, leicht und sicher der Erdball um die feme, strah-lende Sonne, die einen Ozean von Licht und Wärme durch dieganze Unermeßlichkeit ausgießt. Dieser Erdball, die Wohnungvon Millionen und Millionen beglückter oder zum Glück er-schaffener Wesen, schwebt in des Himmels leeren Räumen, durchunsichtbare Gewalt geführt und in unabänderlichen Bahnen.So hast Du es, höchste Allmacht, geordnet. Wir staunen dasunbegreifliche Wunder an. Wir suchen mit unserm schwachenVerstände zu dem Ungeheuern Räthsel die Auflösung, und er,klären ein Wunder durch neue Wunder, welche wir im Ver-borgenen ahnen.
Und wie diejenige Hälfte der Erde, welche wir bewohnen,also gegen die Sonne eine Richtung nimmt, daß die Strahlenderselben nur schief über die Oberfläche Hinweggleiten, erstirbtund erkaltet Alles darauf. Der Thau wird Reif; die Wolkenlassen Schnee fallen statt befruchtenden Regens; die Strömewerden Eis; die Pflanzen welken; Menschen und Thiere ver-bergen sich. Bald ist die eine Hälfte der Erdkugel eine unüber-sehbare Einöde, eine leblose Wüste, als hätte der Schöpfer ihrerVergessen, während die Landschaften der andern Erdhälfte im
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