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als man vcrmuthete? Warum gehen wir, gleich Blinden, um ^bekümmert durch die Menge dieser herrlichen Wesen dahin/ohne der allmächtigen, liebevollen Meisterhand des Schöpferseingedenk zu sein, der sie beseelte, der ihnen eine gewisse Empfin-dung, man möchte sagen gegenseitige Liebe, gab?
Denn wie unter den meisten Thieren herrscht sichtbar auchunter den Pflanzen eine Art Geselligkeit. Sic wohnen, wo siefrei für sich leben, ganz familienweise beisammen. Da scheinensie dann kräftiger zu gedeihen, als wenn man sie vereinzelt;ihr Wuchs ist, besonders an Bäumen, schlanker, ihre Ober-fläche glänzender. Hingegen einzeln und frei stehende Pflanzensind zusammengedrängter, strupvichter , rauher, auf Berghöhenbehaarter. So wird auch der Mensch durch Geselligkeit heiterer,in seinem Aeußern gefälliger, während Einsamkeit ihn in sichgekehrter, rauher und wilöer macht.
Wie es unter den Thieren solche gibt, die sich nur vom Unter-gang und Blut der andern ernähren, finden wir auch unter denGewächsen mancherlei Raubpflanzen, die im Nahrungssaft undBlut der übrigen schwelgen. Sie hängen sich ihnen an und sindüberall mit Saugrühccn bewaffnet; diese dringen mit solchen insie ein und zehren ihre Kraft aus.
So wie in den Einöden des Weltthcils Amerika die schreck-lichsten Rauöthicre einherwandeln, wuchern in Lessen Wäldernauch die gewaltigsten Schmarotzerpflanzen. Die Lianen, mitArm- und Schenkcldicke, umspinnen die Bäume saugend inallen Richtungen; ja von Baum zu Baum in einer Länge vonmehr als hundert Schuh forrschlcichend schnüren sie wie starkeSeile ganze Waldungen zusammen und machen sie so undurch-dringlich, daß mit der Art oft bei hundert Baume von ihrenWurzeln getrennt werden und dennoch in einem Verbände mitden andern stehen bleiben. In unfern Gärten hängt die Mistelihre aussaugenden Wurzeln zwischen die Rinde der Obstbäumeund entkräftet sie; eben so der Frauenflachs die kleinern Pflanzen,welcher wie ein starker Bindfaden alle umwickelt. Er wächstzwar auch aus dem Samen der Erde auf; sobald er aber einePflanze erreicht hat, zieht er seine Wurzel aus dcm Boden, und