Welt würde uns umschlingen, wir würden in jeder Pflanze einenGeist zu erblicken glauben, welcher deren äußere Gestalt wieeine schöne Hülle um sich geworfen hätte, und ihr Empfindungund besonnenes Streben mittheilte.
Nehmen wir auch nicht schon bei geringer Aufmerksamkeitwahr, wie viele Gewächse, gleich den Thieren, bei anbrechendcrNacht zu schlafen scheinen? Sie verschließen ihre Blumenkelche;sic legen ihre Blätter zusammen; sie erwachen nicht, bis dieSonne wieder hervorsteigt. Aber wie unter den Thieren vieledes Tages ruhen, und erst in der Nacht herumschwärmen, sosind auch andere Pflanzen am Tage unthätig; sie wachen erstmit den Sternen auf, und streuen ihre Wohlgerüche in derstillen Dämmerung aus.
Manchen läßt sich eine sehr zarte, fast thierische Empfindungnicht abläugncn. Die schamhafte Mimose zieht schüchtern ihreBlätter zusammen, wenn man sie antastet; sie läßt ihre Blättertraurig niederhängen, wenn man sie schlägt oder stark erschüttert.An den meisten Gewächsen bemerkt man besonders ihre Liebezum Lichte. Welch ein wetteiferndes Gedränge der Bäume einesWaldes, Theil zu haben am Sonnenlicht! Wie traurig undkränkelnd stehen die Unterdrückten da, während freudig die überihnen rauschen, deren Gipfel vom Glanz des Himmelsgestirnstrinken! Wie breiten die in Zimmern und Gewächshäusern ge-haltenen Pflanzen ihre Zweige, ihre Blätter nach den Fensternhin! Es ist mehrmals bemerkt worden, wie die zur Winterszeitin Kellern ausbewahrten Wurzelgewächse im Frühling weite Aus-läufer treiben, um Licht zu finden. So trieb eine Kartoffel,die im Winkel liegen geblieben war, ihren Ausläufer erst zwanzigSchuh auf dem Boden hin gegen die Thür, dann rankte sie ander Wand in die Höhe, und in gerader Richtung zum Lichtlochdes Gewölbes.
Wer kann bei solchen seltsamen Aeußerungen des Pflanzen-sinncs gleichgültiger Zuschauer bleiben?
Wer wird nicht von Rührung und Erstaunen ergriffen,wenn er gewahr wird, daß in der stillen Welt dieser Geschöpfemehr Leben, Absicht und gleichsam willkürliche Thätigkeit ist.