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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
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heiße Sommergluth brennt, die Berge rauchen, Pflanzen undThiere vor Hitze verschmachten Du würdest hier die silbernenFrühlingsblüthen einen ganzen Welttheil bekränzen sehen, wäh-rend in der entgegengesetzten Erdgegend die FrühlingssonneHerbstsonne heißt, und statt der Blüthen schon reife Früchte anden Aestey der Gesträuche und Bäume niederhangen.

Welch ein Zauber! Wie viel Täuschung, wie viel Wahrheit!Die Sonne geht den ganzen Tag hindurch in jedem Augenblickauf, in jedem Augenblick unter. In der Mitternacht ist Mittag.Was für mich der ankommende Frühling, ist für Andere der an-kommende Herbst! Die Oberfläche der Erdkugel wechselt ihreFarben, je nachdem sie ihre Seiten der Sonne zuwendet; siegrünt und erbleicht, blüht und friert das Alles in einem unddemselben Moment. Und das nennt der Mensch, der auf einemkleinen Punkt der Erdkugel verbleibt, den Wechsel der Jahres-zeiten. Und dies ganze Wunder voll unbeschreiblich mannig-faltiger Wirkungen ist durch nichts als durch das einfache Rollender Erde um die Sonne hervorgebracht. Wer ist wie der L^errunser Gott!

Gleich unserer Weltkugel, die wir bewohnen, schwingen sichnoch andere Erden in Ungeheuern Entfernungen um die Sonne.Auch die Wesen, welche auf ihnen wohnen, haben wie wir ihreTages - und Jahreszeiten. Und diese Welten alle, wie klein sindsie neben der Sonne, von der sie Wärme, Licht und Lebensreizempfangen! Wie klein sind sie im unermeßlichen All, wo Mil-liarden Sonnen brennen, größer als die, der wir am nächstensind! Ach, unsere Welt ist ein gar geringes Stäubchen inder uferlosen Schöpfung des Allerheiligsten und wir Be-wohner dieses unmerkbaren Sonnenstäubchens, was sind dennwir? Was ist unser eingebildeter Reichthum und Glanz?Was sind auf diesem von uns bewohnten Stäubchen alleThronen, Reiche und Hceresmächte, vor denen wir zittern?zittern! während wir nicht zittern vor dem Allerhöchsten in deruferlosen Schöpfung, vor ihm, den wir unfern Vater nennendürfen! Wie klein und erhaben ist doch der Mensch im gleichenAugenblicke! Wie mächtig und wie schwach ist er zugleich!