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6 (1837) Gott in der Natur
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im warmen Frühlingsbodcn wie ein einziger duftender, viel,farbiger Blumenstrauß prangt.

Wie viel tausend anmuthigc Hoffnungen umgaukeln unsschon von den Freuden des bevorstehenden Sommers! Wirsehen schon die vielen lieblichen Tage voraus, welche wir einsamin schöner Gegend, oder in Gesellschaft geliebter Freunde unterdem heitern Himmel verleben werden. O welche prachtvolleMorgenstunden erwarten uns! welche genußreiche Abendstunden,wenn die glühende Sonne niederstnkt, und die Welt, in rei-zenden Duft gehüllt, cinschläft, während aus fernen GebüschenNachtigallen singen, und des Mondes Silber zauberhafte Ver-klärung über Flur und Wald und Gewässer und über die stillenWohnungen der Sterblichen gießt! Ich gedenke der vergangenenWonnen; ich gedenke derer, die mich noch erwarten. Ich jauchzemit dir, o David: Lobe den Herrn, meine Seele, und was inmir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele,und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat! (Ps. 103, 1. 2.)

Ich werde nie ermüden, die Pracht Gottes zu sehen; nie,seine mannigfaltigen Wunder mit entzücktem Geiste zu preisen.Ich sah den Wechsel der JahrcszcitiN von Kindheit an über michhingchen; es war immer der gleiche und doch nicht immer dasGleiche. Nein, je älter ich ward, je schneller schien sich mirjede Jahreszeit zu entfernen; je lachender wurden mir die Früh-ling? und Sommer, je genußvoller die Herbste und Winter.Wer ist, wie der Herr, unser Gott!

Es ist in der Schöpfung Gottes Alles Leben, Alles Be-wegung, Alles Veränderung. Nichts bleibt dasselbe. Sterne,Sonnen, Monden gehen auf, gehen unter; Eis - und Schnee-wüsten verwandeln sich in Fluren voller Lieblichkeit; Pflanzenwelken, Pflanzen blühen; Thiere sterben, und werden geboren;Alles verschwindet, Alles kehrt wieder. Und dies ist die Gc-schichte der Natur von Jahrtausenden zu Jahrtausenden.

Aber in diesen Reichen ewiger Abwechselungen und Man-nigfaltigkeiten herrscht ein einziger, wunderbarer G isi undSinn, und eine geheimnißvollc Einheit. Das Meiste, was duVeränderung im Weltganzcn nennst, ist nur Schein. Denn