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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
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Und wie in vielen christlichen Kirchen der unwissende Haufe vorLen tobten Bildnissen heiliger Sterblicher kniet, und von denBildnissen selbst wunderbare Wirkungen erwartet, während dochdieselben für den Beffcrunterrichteten nur als Erinnerungsmitteldastehen, vor ihnen das unvergängliche Heilige zu verehren,nicht in ihnen deren Kraft anzubeten: so wird auch bei denen,welche Heiden heißen, großer Unterschied der Vorstellungen beiderselben Sache sein, die äußerlich von Allen auf einerlei ArtVerrichtet wird.

Und warum diese große Abweichung menschlicher Vor-stellungen unter einander vom höchsten Wesen, welches dochAlle verehren, wenn auch auf verschiedene Art? Warumdiese Vielförmigkeit der Religionen?

Geschöpf! welche Rechenschaft forderst du vom Schöpfer?Diese Mannigfaltigkeit war sein heiliger Wille. Oder zweifelstdu, daß auch etwas ohne seinen Willen sein könne? Hat cr esgewollt, so lagen erhabene Zwecke in seiner Absicht, die wohl-thätig sind, obgleich dein begrenzter Verstand sie nicht ergründet.Ucberall in seinen Schöpfungen ist die unendlichste Mannig-faltigkeit von Erscheinungen sein Gebot. Welche Buntheit derFarben, Gestalten und Eigenheiten der zahllosen großen Welt-kürper des Himmels, der Steine, der Gewächse, der Thicre,der Menschen auf Erden! Welche Abweichung eines Menschenvom andern, und des einzelnen Menschen von sich selbst, inseinem verschiedenen Alter von der Kindheit bis zur Grcistn-schaft! Wer kann denn nun sagen, welche Bildung und Artzu sein eigentlich von allen die vollkommenste sei? Ist nichtjedes in seiner Gattung und Weise vortrefflich und nothwendig?

' Nur das große Ganze mag vollkommen heißen, das Einzelnedavon ist bloß zweckmäßig.

Wenn ich bedenke, daß jeder einzelne Mensch in seinenreligiösen Vorstellungen und Gesinnungen nie sich gleich bleibtund es sogar nicht bleiben kann; wenn ich bedenke, daß ich alsKind in der mir bcigebrachten Glaubensweise ganz andersdachte und empfand, als später, da ich Jüngling wurde; daßich durch viele Erfahrungen im männlichen Alter meine jugcndr