Wäre es dem Bewohner eines andern Sternes vergönnt,auf den Erdball nieder zu steigen, um das Gcmüth und Wesenund die abwechselnden Lebensweisen, Naturtriebe und Stimmender Geschöpfe zu beobachten, er würde den Menschen kaum fürein wunderbareres Geschöpf als alle übrigen halten, noch ihmgrößere Vollkommenheit zutrauen. Denn seine schönsten Palästesind noch nicht so kunstvoll und schön, als das Blumengehäuseeines Wurms; seine Gewebe nicht so sinnreich und zart gesponnen,wie die Gewebe der Spinne; das Insekt kleidet sich unbegreif-licher ein, als er; die Nachtigall singt süßer; die Zugvogelreisen mit größerer Schnelligkeit, Sicherheit und Bestimmtheitvon Welttheilcn zu Welttheilen; die Arbeiten der Biene für ihrenLebensunterhalt, ihr Schweben von Blume zu Blume, ihreEntfernung ohne Verirrung, ihr Wahrnehmen der Witterungs-wechsel ist außerordentlicher; der Löwe ist stärker; der Adlerschwingt sich höher. Ueberall wird der Mensch an irdischen Voll-kommenheiten von einzelnen Thiergattungen übertroffen; überallist er unbeholfener und ärmer, sein Leben zu fristen, sein Be-dürfniß zu stillen. Nur dadurch möchte er in seiner Eigenthüm-lichkeit wunderbar neben den andern scheinen, daß er von allenandern Geschöpfen erst lernen muß, wie er es zu machen hat;vom Baum selbst, wie er pflanzen, von der Aehre erst, wieer säen müsse. Er ist gleichsam bestimmt, der Nachäffer derganzen Natur zu sein. — So möchte er vielleicht den Blickendes Bewohners aus einem andern Weltkörper erscheinen.
Und gewiß ist der Mensch, wie er in seinen AlltagsgeschLftenerscheint, auch nur meistens Thier, und mehr nicht, so groß ersich auch dünke.
So irdisch sein gemeines Leben ist oder scheint, spricht dochwieder aus demselben etwas Anderes hervor, das nicht irdisch ist,und nicht für diese Welt gehört. Es hilft ihm dasselbe nicht zurFortpflanzung seiner Art, nicht zur Nahrung, zur Kleidung,zum Obdach oder Wohlleben. Er strebt wo anders hin, undüber sein Leibliches hinweg, vom Staube empor zum Himmel.Er geht von den Mühen des Tages in die Einsamkeit und betet.Durch das Geräusch des Alltagslebens, seiner Heere und Flotten,