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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
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Vernommen haben, denken nicht minder, als die, welche in derGewalt der Rede und des Gehörs sind. Ein Beweis ist, daß siesich zur Mitthcilung ihrer Gedanken leicht eine ReihebezeichnunZvermittelst der Geberden erfinden.

Zwar, weit wir der Sprache und der beständigen Mittheilunaunserer Vorstellungen gewohnt sind, scheint es uns selbst, alswenn wir nicht anders, als in bestimmten Wörtern denken könnten,und als wenn wir, ohne uns unsere Gedanken in Wörtern ab-zubilden, gar nicht fähig zu denken wären. Doch schon der Anblickjedes unmündigen Kindes, welches noch gar nicht reden kann,belehrt uns aus seinen Handlungen, daß es Vorstellungen undUrtheile mache. Ein Kind, welches erst reden lernt, beweiset inseinem Stammeln und mühsamen Aufsuchen der Töne und Lautefür das, was es sagen möchte, daß es mehr Gedanken als Wortefür dieselben habe. Und wem, wenn er auf sich selbst einiger-maßen Acht hatte, wäre es entgangen, daß er die schönsten undtiefsten seiner Vorbegriffe gar nicht auszudrücken vermochte,weil er entweder nicht Uebung genug im Darstellen durch dieRede besaß, oder die Sprache überhaupt zu arm an Worten fürdie Bezeichnung seiner Gedanken war?

Das Denken des Geistes ist ein wunderbar schnelles Wirken,dem an Geschwindigkeit nichts Irdisches zu vergleichen ist. Wirbezeichnen mit den Worten der Rede nicht den tausendsten Thefldessen, was wir wirklich in uns sinnen, sondern nur einzelnePunkte des rasch hinfliegenden Gedankenstromes, wo er gleich-sam höhere Wellen wirft. Oft bezeichnen wir dergleichen, undverstehen uns in unserm Innern gar wohl; wir finden vollenZusammenhang zwischen dem, was wir sagten, mit dem, waswir dachten; aber es ist dem dunkel und unzusammenhängend,der es hört, weil er die flüchtige Reihe anderer Vorstellungennicht kennt, die wir nicht mit Worten insgesammt bezeichnenkonnten, weil die Zunge unendlich langsam neben dem schnellenFortlauf der Gedanken ist. Wenn daher im Tode Seele undGeist von dem Körper scheiden, hört das Denken deswegen nichtauf, weil die Sprachwerkzeuge im Grabe Staub und Aschewerden. Es fehlt dem Geiste nur das Mittel, seine Gedanken