der Wahrheit, uns frei zu machen durch Offenbarung des gött-lichen Willens. So ihr bleiben werdet an meiner Rede,
' rief der Erlöser, so seid ihr meine rechten Jünger,und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahr,heit wird euch frei machen. (Joh. 8, 31. 32.)
Zu dieser Freiheit des Geistes zeigte der Heiland uns den ver-lornen Weg: er kam, uns von dem Gesetze und Triebe der irdischenNatur, nämlich von der thierischen Selbstsucht, zu befreien, unduns zu dem Gesetze des Geistes zurückzuführen, welches all-gemeine Glückseligkeit des Weltganzen wist. Alle Gesetze aber,spricht die heilige Schrift, werden in einemWort erfüllt:Liebe deinen Nächsten, als dich selbst. (Gal. 5, 14.)
So bestehet nun in der Freiheit, damit uns Christus befreiethat, und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Jochfangen! (Gal. 5, 1.)
. Man glaube doch nicht, als sei der menschliche Geist ansich selbst viel zu schwach, den gewaltigen Gewohnheiten undTrieben der irdischen Natur des Menschen zu widerstehen. —Wäre dem also: wie würde Gott, wie würde Jesus Christus,solches von uns begehrt haben? wie würde unser eigenes Be-wußtsein uns dazu auffordern können?
Es hat der menschliche GeiA^eine unglaubliche Macht übersein Werkzeug, über die Neigungen und Triebe der Seele unddes Körpers, wenn er nur feste Entschlossenheit genug hat,seinen Willen geltend zu machen. Haben wir nicht Beispiele desHeldenmuths genug, mit welchem starke Geister alle Schmerzender Krankheit überwunden haben; und unter den größtenOualen heiter und getrost blieben? Wenn ein Glied des mensch-lichen Leibes vom innern Brandschaden ergriffen ist, daß dadurchdas ganze Leben bedroht wird; wenn die Trennung des Gliedesvom Leibe nothwendig wird; so schaudert die selbstsüchtige,thicrische Natur davor; aber der vernünftige Geist spricht: derTheil muß zum Besten des Ganzen aufgeopfert werden. Undaller schmerzlichen Sinne ungeachtet wird, weil der Geist will,die Trennung des schädlichen Gliedes vollstreckt. Der Geist über-windet die Schmerzen des Körpers.