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Daher kommt, daß wir auch mitten im Rausche der bösenLeidenschaften noch denken und wissen: was ich thue, ist unrecht.Denn der Geist in uns kann seine reine Natur, stin Gesetz nichtverläugaen. Wir nennen diese Empfindung das Gewissen.Und das Gewissen ist nichts anderes, als die klagende Stimmedes Geistes! Unterdrücke, betäube diese Stimme nicht, Unglück-licher! Es ist das Unsterbliche, was in dir redet. Willst du dasUnsterbliche in dir tödten? Willst du ein Selbstmörder für dieEwigkeit werden? Willst du aufhören in der Reihe zu Selig-keit und Vollkommenheit berufener Wesen zu stehen, und zumThier werden?
Das ist nun das doppelte Gesetz in uns, von welchemPaulus redet : Ich weiß nicht, was ich thue; denn ich thuenicht, das ich will; sondern was ich hasse, das thue ich. (Röm.7, 15.) Das Fleisch gelüstet wider den Geist und der Geistwider das Fleisch. (Gal. 5, 15.) Das ist der Ursprung derSünde, daß unser Geist das Glück Aller will; die sinn-liche Natur aber nur allein für sich sorgt, wie jedes ver-nunftlose Thier. — Selbstsucht ist der Karaktcr der Thierheit,allgemeine Glückseligkeit ist das Streben des Geistes.Wenn nun daraus Widerspruch erfolgt, und der Geist den selbst-süchtigen Trieben unterliegt, statt sie, als alleiniger König inseinem Gebiet, zu beherrschen: so ist die Sünde vollbracht. —Darum sprach Jesus im Evangelium zu den Juden: „Ihrsollt frei sein. Wer Sünde thut, der ist der SündeKnecht. (Joh. 8, 33. 34.)
Der menschliche Geist entstammt dem göttlichen Geiste;er ist ein Kind Gottes; er ist geschaffen nach Gottes Ebenbilve.Darum ist das innere Gesetz unsers Geistes das ihm vom Vaterim Himmel gegebene Gesetz. Darum kann der menschliche Geistkeinen andern Willen haben, als den Willen Gottes. Und weildas Geschlecht der Sterblichen seinen himmlischen Ursprungvergessen hatte; abgefallen war vom göttlichen Vater; versunkenlag im Jrrthum, und verwildert in den Umtrieben thierischerSelbstsucht: trat Jesus Christus in das Leben, uns Licht zugeben in der Finsterniß, Erlösung zu bringen durch das Wort