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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
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Andere edle Menschen, die des Rcichthums und Wohllebensgewohnt waren, und plötzlich in die bitterste Armuth versanken,gaben nicht geringere Beweise ihrer Geistesstärke durch dieheiterste Gelassenheit im Unglück, das sie unschuldig erduldenmußten. Denn nur wohlverdiente Noth ist das Niederschlagendste.Die Noth zwar ließe sich ertragen, aber nicht das Bewußtsein,sie verschuldet zu haben.

Ja, kennen wir nicht zahlreiche Beispiele, wie der Geistdes Menschen um eine theure, heilige Sache selbst den Tod desLeibes nicht scheute? Mochte doch die selbstsüchtige, sinnlicheNatur vor dem Sterben zurückschaudern der Geist sprach:hier ist das Sterben für die gute und große Sache Pflicht, unddas Leben ward freudig dahin geopfert.

So unverkennbar groß ist die Gewalt unsers festenischlossenenGeistes über die Seele und den Körper. Warum sollten wir,bei ernstem Willen, verzweifeln, daß wir unsere Unabhängigkeitund Freiheit gegen den Einfluß des Körpers und der herrschen-den, irdischen Begierden behaupten könnten?

Dies geschieht aber nicht dadurch, daß wir fasten, unskasteien; allen irdischen Freuden abschwören; jedes Vergnügenfür Sünde halten; in Einöden flüchten; unscrm Leib diedringendsten Bedürfnisse oder such nur alle Annehmlichkeitenversagen. Nein, auch in einem zermarterten, abgequälten Leibekann ein knechtischer Geist wohnen.- Wir wissen ja, daßGott dies Leben nicht umsonst mit Anmuth schmückte; sondernder Schöpfer wollte auch von dieser Seite unsere Glückseligkeitvermehren. Wir wissen ja, daß die Triebe des Körpers, dieGefühle und Neigungen unserer Seele an sich selber ganz un-schuldig sind, so lange sie nicht im Widerspruch stehen mitunfern höhern Gesetzen der Vernunft, mit dem Willen Gottes.Wir wissen ja, daß die Selbstsucht der thierischen Natur einvom Schöpfer gegebener Trieb ist, zur Beschirmung und Er-haltung und Vervollkommnung der Werkzeuge unsers Geistes.

Allein die Forderungen dieser Selbstliebe sollen nicht weiterschreiten, als ihr erster Zweck, nämlich Gesunderhaltung desKörpers und der Seele, nöthig macht; sie sollen dem Gesetze des