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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
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Willst du dir seinen Abfall, dieses Entstehen der innerlichenZwietracht des Menschen mit sich selbst, erklären, so blicke aufdie Geschichte jedes einzelnen Sterblichen von seiner Geburt an;blicke auf die Geschichte deines eigenen Lebens zurück.

Der Säugling ist unschuldig, das Kind ohne Sünde. Nochstehen seine innern Triebe und Gesetze in keinem Widerspruch.Zwar vermöge seiner irdischen Natur begehrt es Irdisches, oft mitHeftigkeit; aber noch ist der Geist nicht in ihm erwacht, und esschläft noch der innere Zwiespalt. Auch hat der sinnliche Hangnoch nicht durch Gewohnheit das verderbliche Uebergewicht überden Willen erlangt, und noch sind die bessern Neigungen nicht ^durch die bösen unterdrückt: das Kind ist vermöge seiner Naturwahrhaft, ohne Falsch, liebend und gutmüthig. Darum wiesJesus seine Jünger selbst auf die unschuldigen Kleinen, undsprach: so ihr nicht werdet, wie diese Kindlein, könnet ihr nichtin das Himmelreich eingehen. > Aber das Kind wächst und wirdalter. Reizungen aller Art wirken auf seine Sinne. FalscheBeispiele leiten es irre. Es nimmt Gewohnheiten an, die seinenGefühlen wohlthun. Diese Gewohnheiten scheinen anfangs sehrunschuldig zu sein; die, denen die Erziehung des Kindes obliegt,sehen darüber hin. Aber die Gewohnheiten werden älter undstärker mit den Jahren; sie werden gleichsam zur andern Naturder Seele. Die Seele, wie der Körper, empfangen dadurch einefalsche Richtung, weil die Befriedigung der Gewohnheit zur erstenaller Neigungen wird. Damit ist der Keim einer Ungesundheitder Seele entsprungen. Das Werkzeug des Geistes ist mangel-hafter geworden: der Geist ist in seiner Thätigkeit gelähmt. DerSchmerz, welcher aus Nichtbefriedigung der gewohnten Begier-den entsteht, wird zu heftig, als daß man ihn lange ertrüge;der Geist geräth in Kampf gegen die übermächtige Begierde,gegen die Krankheit des Leibes oder der Seele. Er muß unter-liegen. Die Sinnlichkeit triumphirt. Des Geistes heiliger Willeist vernichtet. Das ist die Sünde!

,Wir wissen aber, daß die Gewohnheit, wie in der Seele,auch im Körper selbst, große Veränderungen Hervorbringenkann, die bleibend sind. Kräfte, die man im Guten oder Bösen