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soll. Wie unnatürlich und widerlich würde unS der majestätischeLöwe erscheinen, welchen wir den König unter den Thieren zunennen pflegen, wenn er nichts als eine veredelte Pflanze, alsein geringer Wurm sein möchte, den nur die willkürliche Be-wegung von einem gemeinen Kraut unterscheidet! wenn er seinerRiesenkraft vergäße, die in ihm wohnt; des Donners seinerKehle , mit welcher er die Wälder erschreckt und die Wüstedurchherrscht; der Behendigkeit seines Laufes, mit welcher erseine entrinnende Beute zurückholt! — wenn er sich mit dem be-gnügte, was ihm der Zufall zuspielt, und sich von den elendestenKreaturen zertreten ließe, die ein bloßes Schütteln seiner Mähnenmit Entsetzen füllen würde! — Eben so unnatürlich und widerlichwäre der Mensch, der nach Gottes Bilde Geschaffene, der zueinem göttlichen Dasein und Wirken wundervoll Ausgerüstete,wenn er sich begnügte, mit allen seinen hohen Anlagen bloßein veredeltes Thier zu sein.
Wehe, und was ist oft der Sterbliche anders?-Ich
schaudere. Ich erkenne in Wahrheit, wie er oft tief unter seinerWürde niedergesunken daliegt , und seines göttlichen Ursprungsund seiner hohen Bestimmungen gänzlich uneingedenk ist; wieer bloß für den Kitzel seiner Sinne lebt; wie er nur auf Erdenarbeitet und sorgt, sich Nahrung und Vermögen zu sammeln,um damit zu glänzen und sich gütlich zu thun; wie er geizig seinGeld hütet und wuchert, um Metalle zu sammeln, daß manvon ihm sage, er sei reich; wie er keine größere Glückseligkeitkennt, als niedrige Wollüste, Abwechselungen der Ueppigkeit,Uebergänge von einer Lustbarkeit in andere; Pracht in Kleidernund Geräthen, Leckereien des Tisches; oder wie er die Ruheseiner Tage, das Glück seiner Mitbürger für einen flüchtigenRuhm aufopfert; oder wie ihn beständiger Neid gegen dieBessern, und ein thierischer Haß gegen die erfüllt, die seinevermeinten Vorzüge nicht anerkennen.
Was ist der Schönste unter den Schönen, der Mächtigsteunter den Herrschern, der Klügste unter den Klugen mehr, alsein veredeltes Thier, wenn er, für alles Höhere, Religiöse,Göttliche ohne Sinn, nur für das lebt, wofür auch die Thiere